Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1840905
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legen, dann würde man für diese Art der Gestaltung zunächst 
unter den Coniferae ein Vorbild suchen müssen, doch sämmt- 
liche Nadelhölzer wachsen pyramidal und enden oder gipfeln 
in einer Spitze ; somit widersprechen Aufbau und Endigung dieser 
Zapfenbäume derAnlage des assyrischen heiligen Baumes. Nicht 
mit Unrecht würde man auch die Frage aufwerfen dürfen, wo- 
her die Assyrer dies Nadelholzmotiv genommen haben sollten, 
„denn zum Batimwtiehs", sagt Herodot, l) „hat es durchaus 
keinen Trieb; keinen Feigenbaum, keinen Weinstock, keinen 
Oelbaum trägt es." Im Gegensatze zu dem nicht zutreffenden 
Coniferen-Motiv findet dagegen der assyrische heilige Baum in 
der Kohlpflanze, und zwar in jenen mit geschlossenen Blättern, 
sein Analogon. Man denke sich nur den derben, kraftstrotzen- 
den, der Weiterentwickelung sichtlich fähigen Krautstamm(caulis), 
gewöhnlich  botanisch wohl nicht ganz eorrect  Strunk 
genannt, auseinandergezogen, aufgeschossen, und den oberen 
'l'heil des geschlossen gebliebenen Kohlkopfes durch einen Ver- 
tikal-Axendtirchschnitt halbirt, dann entspricht die Form ganz 
dem festen, gedrungenen Aufbau wie der oberen Endigung des 
assyrischen heiligen Baumes. Doch nicht allein das Hauptmotixiy 
sondern auch für jene, den heiligen Baum umrahmenden Pal- 
mettchen finden wir innerhalb derselben Pflanzengattung, im 
sogenannten Bosenkohl, deren leicht erkennbares Vorbild wieder. 
 Die sich beim ägyptischen Palmettenbaum findenden Zuthaten, 
wie die Aufsetzung eines Lotosbüschels, der ebendort aus tiefer 
liegenden Gründen unentbehrliehg) scheint, langiren in keiner 
Weise die gegebene Grundform, denn die sich abwechselnd ein- 
mal nach aussen, das andere Mal nach innen wendenden, sich 
aus dem durchgehenden Stamme entwickelnden, symmetrisch 
angeordneten volutenartigen Ornamente, bilden, um mitBiegl zu 
sprechen, beim phönikischen Palmettenbaum nicht etwa „inein- 
andergeschachtelte Bliithen", sondern etwas unverstanden ge- 
schmückte Wiederholungen jener auch am assyrischen und ägyp- 
tischen heiligen Baume vorkommenden Elemente. Die bei den 
Assyrern horizontal auslaufenden Ornamente erheben sich bei 
dem ägyptischen Palmettenbaum abwechselnd zu einem Winkel 
von 65-750; dies ist der einzige Unterschied. Hier wieder- 
holt sich in der ornamentalen Kunst, was Kaufen oben von der 
L? 
 Herodot, I, 193. 
9) Man sehe Diodor B, I, C. 10, wo der Lotos als Nalnwlllg der 
ersten Menschen Erwähnung findet; ferner cbcntlort C. 3-1, wo er 
berichtet, dass man Späterhin daraus Brod bereitet; weiterhin Sehe MM! 
B- I, Abschn. 2. C. 43.
        

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