Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1840874
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beachtenswerlhe Stelle finden wir im 12. Capittzl des Kauleif- 
schon Werkes, wo es „(Ueber Sprache und Sündenfall)" Seite 
141 u. w. heisst: „Es darf aber nicht angenommen werden, 
"dass die angegebenen Erscheinungen unmittelbar nach der ersten 
„Sünde schon in solcher Ausdehnung zu Tage getreten wären, 
„wie sie jetzt auf Erden betrachtet werden können. Wie viel- 
„mehr die ganze Depravation des Menschen nur eine allmälig 
nfortsehreitende war, so konnte auch die Sprache nicht anders, 
„als stufenmässig, ihre Vollkommenheit einbüssen. So unge- 
„heucr auch die Aenderung war, die beim Essen der verbotenen 
„Frueht urplötzlich den ganzen Menschen ergriff, so war doch 
„die Einbusse an seiner Erkenntniss, wie an der Kraft seines 
„freien Willens, nur erst begonnen und nicht schon bis zu der 
"Ausdehnung gelangt, die sie überhaupt auf Erden erreicht hat. 
"Hätte die junge Menschheit nicht aus dem Paradiese einen 
"staunenswerthen Reichthum von Kenntnissen mit in die Ver- 
„bannung hinübergenommen, so liesse sich nicht begreifen, wie 
„v0n den ersten Generationen schon die allerwichtigsten Ein- 
"richtungen und Erfindungen gemacht werden konnten, auf denen 
„alle späteren Errungenschaften des civilisirten Menschen be- 
„ruhen. Die Sprache konnte um so weniger eine plötzliche, durch- 
"greifende Veränderung erfahren, weil die Menschen vollständig 
„im Besitze derselben waren und die Fertigkeit, die sie im Ge- 
„brauch derselben besassen, in grösserm oder geringeren Grade 
„mit in ihren neuen Zustand hinübernahmen. Allein wie die 
„Baume des Paradieses in dem Lande, das Dornen und Disteln 
„trug, nicht gedeihen mochten, so konnte auch die Ursprache 
„sich ausserhalb des Paradieses in ihrer Reinheit nicht erhalten. 
„lhre Vollkommenheit beruhte eben darauf, dass sie nicht ein 
„fertiges System, nicht ein künstlich gebildeter Organismus war, 
„sondern dass sie aus enger Nothwendigkeit mit dem Gedanken 
„des Menschen zu einem lebendigen Ganzen zusammenwuchs. 
„Jetzt war ihr der Lebensnerv abgeschnitten; der Mensch nahm 
„in die Verbannung nichts mit, als die fertige Sprache, die 
"nach dem nunmehrigen Stande seiner Erkenntniss einen Leib 
„0hne den beseelenden Geist, einen Stoff ohne eigentlich ver- 
„standene Form bildete. Es verhielt sich also schon Adam 
nausserhalb des Paradieses zur Sprache, wie jetzt wir, indem 
„wir dieselbe durch Mittheilung von Andern empfangen. Wir 
„gebrauchen die Formen der Rede, weil wir ihren Bezeich- 
„nungswerth kennen, nicht aber, weil wir ihre Bedeutung ver- 
„stehen; und aus dem Mangel eines solchen tiefern Verständ- 
„nisses entspringen die meisten der Veränderungen, welche den
        

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