Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1840752
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Ein noch besseres, ein feineres Schwarz soll die frische, 
nicht zum Wcinbranntwein benutzte Hefe liefern. Die 
frische Hefe, bestehend aus Ilefczcllen und kleinen Kry- 
stallen von Weinstein (einem Gemenge von weinsauirem 
Kali und weinsaurem Kalk) verlangt eine baldige Ver- 
wendung, da sie rasch in Fäulniss übergeht. Die brei- 
artige Masse wird deshalb zum Zwecke derAustrocknung 
in dünner Schichte auf Blechtafeln gestrichen und bei einer 
Wärme von 100--12O Grad C. zu einer braunen, leicht 
zerreibliehen Masse eingetrocknet; gut verpackt, verträgt 
sie in diesem Zustande eine längere Aufbewahrung. Bei 
der fabrikmässigen Herstellung wird die getrocknete Hefe 
zur Verkohlung in irdencn Töpfen oder eisernen Cylindern 
in Oefen erhitzt, die nach Art der Töpfer- oder Ultramarin- 
Öfen konstruirt sind, doch kann man dies auch in kleinem 
Masstab ausführen, ähnlich wie dies auch schon bei anderer 
Gelegenheit gezeigt werden ist. Man verfahre dahei wie 
folgt. Am sichersten geht der, welcher nicht zu dick- 
wandige eiserne Gas- oder Wasserleitungsröhren verwendet, 
die oben und unten durch gut passende Deckel zu ver- 
schliessen sind. Dem oberen Deckel giebt man eine kleine 
Oeünung, damit die beim Glühen entstehenden Gase ent- 
weichen können. Man füllt nun, nachdem man den unteren 
Deckel dem Rohre aufgepasst hat, dasselbe mit trockener 
Hefe, die man mittelst eines hölzernen Stössels recht fest 
einpresst; darauf kittet man auch den oberen, den mit 
einer Oeffnung versehenen Deckel mit Lehm fest auf. Zum 
Schutze gegen die zu starke Einwirkung des Feuers giebt 
man dann dem Rohre noch einen dünnen Ueberzug 
von Lehm, dem man, damit der Lehmanstrich besser haftet, 
zerschnittene Haare beigemengt hat. Entsprechend der 
Grösse des_ Ofens, der zur Verfügung stehenden-Feuerung, 
wühlt man die Anzahl der Rohre. Nun legt man dieselben 
so, dass sie zunächst mit ihrem hinteren oder unteren Ende, 
welches gut und fest verschlossen ist, einem schwachen 
Feuer ausgesetzt werden; langsam, bei nur massiger Feue- 
rung beginnt man. 1st in dieser Weise die allmählige Er- 
hitzung so weit fortgeschritten, dass die unterste Partie des 
Rohres in's Glühen gekommen ist, dann bringt man gemach 
die Röhren ganz ins Feuer und erhitzt sie bis zu lebhaftem 
Glühen.  Während des Verkohlungsprocesses (lringt aus 
der Oeffnung des oberen Deckels eine spitze Flamme her- 
vor, welche durch die brennenden Destillationsprodukte
        

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