Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1840725
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verwendete Knoehenmaterial ansehen, bei dessen Zuberei- 
tung auch die zur Herstellung des Beinsehwarz erforderliche 
Knoehenkohle gewonnen wird. Da finden sieh Knochen- 
reste aus allen Entwickelungsstufen des Thieres, vom kaum 
geborenen Kalbe an beginnend. Da nun von der Be- 
reitung der Knoehenkohle nur jene gallertereicheren Theile 
ausgeschieden werden, die sich vornehmlich zur Leimberei- 
tung eignen und keineswegs nur jene für die Darstellung 
des Beinsehwvarzes geeigneteren Mittelstüeke der sogenann- 
ten langen Knochen, der Röhrenknoehenl) genommen wer- 
den,-so erklären sich auch leicht jene Unzuträglichkeiten, 
die Mancher bei Anwendung des Beinschwarzes erfahren 
hat, die beim Gebrauche des Elfenbeinschwarz aber nie- 
mals zu befürchten sind.  Vorsichtiger bereitetes Bein- 
sehwarz lasst daher häufig jenen verlockenden Ton ver- 
missen, der aber diesem Schwarz auf der Palette unschwer 
zu geben ist.  Der zur Herstellung des Beinschwarz er- 
forderliche Farbstoff wird als Nebenprodukt beim Brennen 
der zum Läutern des Zuekersaftes bei der Zuckerfabri- 
kation erforderlichen Knoehenkohle gewonnen. Um die für 
den einen wie den andern Zweck ungeeigneten schwam- 
migcn oder leimhaltigeren Theile zu entfernen, werden die 
ausgedäimpften und scharf getrockneten Knochen unter 
Kollersteinen gemahlen, und das abfallende Pulver durch 
Sieben von den härteren Knoehentheilen getrennt. Das 
1) Die Mittelstüeke der Röhrenknoehen sind desshalb zur Bereitung 
eines Knochenkohlenschwarz die geeigneteren Theile des Knochen- 
geriistes, weil sie zu den sogenannten kompacten, den dichten, harten 
Knochen gehören. Und es sind auch nur desshalb die Mittelstiicke ge- 
eignet, weil die Rührenlnloehen zu den Enden hin, wo sie sich breiter, 
aufgotriebener gestalten nur noch dünne, harte Knoehentatfeln mit fester 
RlndQUSlllJSttLllZ (corticalis) bilden, Welche die sogenannte schwammige 
Knochcnsubstanz (einschliessen. Jene schwammige Substanz ist aber der 
Bereitung eines guten Beinschwarz äusserst hinderlich, da die von ihr 
gebildeten, unter sich verbundenen Lücken und Hohlräume, welche sich 
durch zellenbildende Knochenblättchen und Fasern bis zu netzfönnigcr 
Struetur weiter verengen, mit einem gelatinösen Flnidmn gefüllt sind, 
welches nach Berzelius aus KVasser, Extraktivstoifen und einigen Fett- 
spuren besteht. Zu den Resten dieser gelatinösen Masse kommen noch 
die Ueberbleibsel nicht zu entfcrnender Gefässe, welche in den zahllosen, 
dem unbewadneten Auge kaum wahrnelnnbaren Knochenkanälen haften 
und deren die Farbe schädigenden Verbrennungsp1'0d11kte vielfach als 
die Ursache unliebsamcr Erfahrungen und stets verschieden auftretender 
Vorgänge zu betrachten sind. Denn die gebräuchliche Art der Knochen- 
kohlengewinnung sehliesst zunächst die eine absolute Garantie schaffende 
Extraction zweckwidriger Theile des Knoehenlnateriales aus, zum andern
        

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