Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1840547
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Angabe der Feldgrösse rechnen. Die Bezeichnung Kessel- 
braun (lürfte gleichfalls unschwer zu erklären sein, indem 
sich dieser Mulm vielfach durch eingesickerte Wasser in 
Mulden (kesselartigen Vertiefungen) angeschwemmt Endet. 
Die Herstellung dieser Farben, so billig wie einfach, 
besteht aus einem Schlemmprocesse der Masse, wie sie der 
Grube oder dem Lager entnommen Wird. Alle halbzersetzten 
Holz- und mineralischen Beimengungen, wie Sand und 
Schätzung der F elderträge zu Grunde legt. Und merkwürdig ist dabei 
der Umstand, dass ein breiter Kommunalweg die Scheide ZWlSC-llüll der 
Berechnung nach Cölner  oder nach spanischen Liorgen, nach sogenannten 
Vierteln und Pinten setzt, wie dies heute noch zwischen den Gemeinde- 
fcldern von Metternich und Weilerswist der Fall ist. Durch erstere zog 
sich nämlich östlich des genannten Weges der sogenannte Churkölnische 
Jagdweg (vom Brühler Schlosse nach Bonn), durch letzteren Ort, west- 
lich des Kommunalweges gelegen, dieHeerstrasse (Trier-Köln!  Die 
Bezeichnung "Pinte" als Flächenmass ist wohl zunächst auf das spät- 
mittelalterlich-lateiirische pinta für ein Flüssigkeitsinass zurückzuführen. 
Mit diesem Worte bezeichnete man auch wohl ein Trinkgefass und 
selbst ein kleineres Gebinde oder Fäisschen. Da sich nun merk- 
würdigerweise ebendort, wo spanischer Einfluss lange herrschend geblieben, 
wie in Antwerpen und der westwärts des Vorgebirges liegenden, die 
Voreifel begrenzenden Landschaft, dies Wort im täglichen Gebrauche 
erhalten hat, so ist die Frage nach seiner Entstehung mit Rücksicht 
auf die schon erwähnte Annahme der Einführung und Benutzung 
etwaiger Producte von dem einen zum anderen der genannten Orte, 
kurz, zum Nachweise eines stattgefundenen Verkehrs wohl berechtigt. 
 Ueber die Entstehung des aus pinta entstandenen Pinte als Bezeich- 
nung für ein Häehenmass äusserte sich gelegentlich Geh. Archivrath 
Harless zu Düsseldorf, dass wathrscheinlich ein gewisser Bestand von 
'I'raubenstöcken, deren Anpflanzung in den Weingegenden schon zu 
früher Zeitik) ein bestimmtes Mass festgestellt, und die hinreichend ge- 
wesen, ein als Pinte bezeichnetes Gebinde mit iVcin zu füllen, bce 
stimmend für die Annahme eines damit übereinstimmenden Flächen- 
masses geworden sein dürfte. Eine zu Bonn gegebene, also aus der 
unmittelbaren Nachbarschaft herrührende, vom 25. November 1579 
datirte Urkunde, welche sich unter den von Leonard Korth in den 
Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein publicirten Urkunden 
und Akten des Gräflich von Mirbaclfschen Archivis zu Harff befindet 
scheint dies zu bestätigen. Denn unter nahe anderthalbtauseiid, vom 
12. bis 17. Jahrhundert reichenden Urkunden, von denen etwa ein 
Viertheil alle derzeit gebräuchlichen Masse gibt, ist nur diese eine er- 
wähnte, welche beim Verkaufe eines Weingartens Pinten als Flächen- 
mass aufweist. Bevor spanischer Einfluss stattgefunden, finden sich 
auch ebendort die Fläehengrössen von iVoingütern und YVeingäirten 
nach Morgen und Vierteln etc. angegeben, wie dies Urkunden gedachten 
Archives von 1366, 1388 und 1397 bestätigen. 
f) So wird laut Urkunde vom 22. Februar 1397 eine Weinrente von l Ohm 
11118 einem halben Morgen Weingarten bestätigt. (Gräflich von Mirbaelfsches 
Archiv zu Harff (161).
        

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