Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1840510
134 
wichtsthcilcn Farbe.  Eine ihrer Hauptfundstätterl ist der 
2028 n1 hohe monte Baldo, der das Etschthal vom Gardasce 
trennt, dessen Westseite wegen des üppigen Pflanzenwuchses 
sprüchwörtlich geworden, dessen zur Etsch und gen' Verona 
gekehrte Seite aber meist kahl und schwer zugänglich ist; 
ausserdem findet sich die grüne oder Veroneser-Erdc auch 
in Böhmen und auf der Insel Üypern. Woher die Pro- 
ducte aber auch kommen mögen, sie werden sämmtlieh 
als Veronesergrün in den Handel gebracht, eine Beziehung, 
die sich wohl aus dem, der Hauptfundstätte nahen Ver- 
sandplatz erklärt.  Die grüne Erde, wie sie frisch der 
Grube entnommen ist, stellt eine dem fetten Thone ähn- 
liche feuchte, zähe Masse dar. Sie zeigt sich oft heller, 
oft dunkler gefärbt und findet sich auch zuweilen mit 
gelben ockerartigen Knollen gemischt. Das Eine wie das 
Andere erklärt sich aus ihrer Zusammensetzung, wie im 
Weiteren gezeigt werden soll. Die grüne Erde ist näm- 
lich ein Gemenge mehrerer Mineralien und variirt sehr in 
ihrerZusammensetzung, doch besteht sie hauptsächlich aus 
kieselsaurem Eisenoxydul und Thon. Mineralogiseh wird 
sie als ein Zersetzungsprodukt des Augites, eines, in vul- 
kanischen Gegenden häufig vorkommenden Minerales be- 
zeichnet. Die hellere oder dunklere Färbung resultirt 
desshalb zunächst aus der jeweil vorherrschenden Bei- 
mischung des einen oder anderen mineralischen Bestand- 
theiles. Zeigt z. B. die Veronesererde, was häufig vor- 
kommt, eine mehr braun-grüne Färbung, so hat eine thcil- 
weise Umwandlung des Eisenoxyduls in Eisenoxyd statt- 
gefunden; wird die Farbe heller und gelber, gewinnt sie 
selbst einen oekerartigen Anschein, dann hat das 
reichlich vorhanden gewesene Eisenoxydul selbst eine Um- 
wandlung in Eisenoxydhydrat erfahren. Dieser Umstand 
erklärt auch das vielfach sichtliche Nachdunkeln der nicht 
gebrannten Farbe, und zwar desshalb, weil sich der grüne 
Farbenton in einen nicht gewollten bräunlicheren Ton u1n- 
gewandelt zeigt, wasbei Anwendung gebrannter grüner 
Erde weniger oder gar nicht sichtbar wird. Zwar wird 
als Grund für das Nachdunkeln der nicht gebrannten Farbe 
auch wohl die Anwesenheit bituminöser Stoffe angegeben, 
die beim Brennen schwinden oder unschädlich werden, doch 
dürften die bekannt gegebenen Analysen der vom monte Baldo 
herrührenden Erde, wie auch jene von anderen Fundorten 
entnommenen Grünerde, wclch' letztere sich als Zersetzungs-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.