Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1840461
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gewonnen werde. Hier halte ich namentlich letztere Be- 
merkung wohl einiger Beachtung Werth. Denn zum Zwecke 
der Lackfüllung bedient man sich, wie ich das schon 
Früher erwähnt, heute einer Sodalösung, und erzielt damit 
den gleichen Vorgang, wie mit der mehr denn 100 Procent 
höher im Preise stehenden Pottaschel andere Gründe für 
die Verwendung der Soda als die dadurch bewirkte 
billigere Herstellung der Farbe dürften dabei nicht mass- 
gßbenrl sein. Nun fragt es sich aber doch, ob in Wirk- 
lichkeit dasselbe Resultat erzielt wird. Soviel steht jeden- 
falls fest, dass bei leichter kontrollirbaren, mit absoluter 
Sicherheit festzustellenden Resultaten, wo Pottasche und 
Soda dem gleichen Zwecke dienen, durchaus verschiedene 
Ergebnisse festzustellen sind, so zwar, dass sich daraus deren 
fabrikmässige Verwendung in speciellen Fallen regelt.  
Wenn nun das orientalische Blärbeverfahren durch die hier- 
orts erzielten Fortschritte in betreff billigerer, schnellerer Her- 
stellung und gründlieherer Ausnutzung der Materialien auch 
weitaus überholt ist, so darf darin allein keinVorzug erblickt 
werden, wenn nicht gleichzeitig dauernde Schönheit, jene 
hervorragende Eigenschaft, welche die Orientalen 1) ihren 
Krapppraparaten zu geben wussten, gewährleistet wird.  
ES herrscht eben auf diesem Gebiete noch eine grosse 
Unsicherheit, die das Verlangen, den Pigmenten die grösste 
Aufmerksamkeit zuzuwenden, wohl rechtfertigt. Ich wieder- 
 Bei Philostratus B. I. C. 28 heisst es: "Sein Kopfschmuck ist 
golden und sein Zaum von ,Mcdischem Roth." Denn diese Farbe 
sticht gut ab zum Golde, so wie die Rubinen." In des Philostratus 
1108 Aeltcrn Briefe finden sich Brief 28 Bahyloniseher Scharlach und 
ljyrischer Purpur gegenübergestellt. Diese Unterscheidung erklärt 
E1611, da wir Medisches Roth als rubinfarben bezeichnet sahen, und 
lyrischer Purpur im Gcgensatze zu der Gluth des Krnpps, des Rubin- 
Yfltll. einen kälteren, entschieden violettrothen Ton zeigt. Diese Gegen- 
überstellung von Babylonischem oder Medischcm Roth zu Tyrischem 
lzllrpur findet sich in einer Weiteren Stelle des Flav. Phil. d. Aelt. 
(femälde (B. II. C 2) auch begründet, denn dort heisst es: "Die 
Clllillnys, die er anhat, ist wohl von der Mutter; denn sie ist schön 
und ächt purpurn und feuerilalnlnend, und spielt dabei in's dunkel- 
blaue".  Medisches und Bnbylonisches Roth, welches wir bei 
Üxoscorides IV 43 als Asianiscnlles erwähnt finden, dürfte wohl auf ein 
[Swllöperzeilgniss zuriickzufiihreil sein. Da. wir noch Proben 'I'yrischen 
l llfllllrs besitzen, so bestätigen diese die früher wie auch heute wieder 
geubte Unterscheidung; denn wir finden bei den violetten ldieerfzirben: 
dßm Willizrmsviolett, Violet de Paris, Violct Parme, Anilinpnrpur etc. etc. 
das nTyriseh-Purpur." 
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