Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1840458
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gewöhnlich die (lreijährige Wurzel geerntet. Dieselbe wird 
stark getrocknet, dann von den ihr anhaftenden Unreinig- 
keiten und der Epidermis oder Oloerhaut mechanisch be- 
freit und darauf gemahlen. Es lehrt des Weiteren die 
Erfahrung, dass die frisch getrocknete Wurzel, je nach 
der Sorte, bei litngerem, selbst mehrjährigem Lagern an 
Farbevermögen zunimmt, doch nach einem gewissen Zeit- 
raume diese Eigenschaften auch wieder langsam verliert. 
Wiederum lehrt die Erfahrung, dass das Vorhandensein 
von Kalk in der Krappwurzel die Schönheit und Dauer- 
haftigkeit der Blarbe erhöht, weshalb man denselben auch 
wohl künstlich zusetzt. Dazu kommen die Details in der 
Bereitung, die kleinen, oft unwesentlich scheinenden U111- 
Stände, die sich aber der Beurtheilting entziehen, weil ihr 
Einfluss nicht aufgeklärt ist  S0 berichtet F allmerayer, 
S. 380,1) dass er sich habe zeigen und erklären lassen, 
wie das berühmte TürkisclrRoth in Thessalien aus Krapp 
mit Ginsterg) hergestellt wird, und die zur Gewinnung 
oder Bereitung erforderliche Pottasehe aus Kalipflanzena) 
1) Fragmente aus dem Orient. 
2) Da fragt man wohl mit Recht „welcher Ginster?" kennen wir 
doch allein in Deutschland vierzehn Arten. Ebenso bleibt uns der 
Zweck der Verwendung dunkel. Oder darf ich hier etwa an das auch 
im Krapp enthaltene Xanthin? erinnern, welches im Krapp wohl auch 
als Krappgelb Elwviihnung; findet. Dieser fragliche, sich eben hier in 
golclgclber Färbung lösende Stoff tiirbt sich bekanntlich, durch 'l'l1o1r 
erde gefällt, zinnoberroth. Oder sollte es sich hier um Morindin 
(liiorindzrgelb) handeln, welches sich in der Wurzel jener in Ostindiexi 
vorkommenden, und zu derselben botanischen Elzunilie, der Stellatäle, wie 
Rnbia gehörenden Merinda citrifolizt findet? Aller Wahrscheinlichkeit. 
nach ist das Merindin mit einem in der OStlINllSUllCIl Krappwurzel ent- 
haltenen Stoffe, der Ruberithrinsiiure zu identiiiciren, einem Steife, der 
sich als Lack ausgefüllt, an Farbenstärke und Feuer mit dem Zinnober 
messen kann. Ist die von Rochleder herriihrende Annahme richtig, 
dann diirfte das bei der Sublimation des Morindins (jener Operation, bei 
welcher ein flüchtiger Körper verdampft und sich durch Abkühlung 
wieder zu einem festen Körper verdichtet) entstehende Morindoix mit 
jenem im Krapp so wichtigen Alizarin identisch sein; nach Richter ist 
es heute unzweifelhaft. 
Bei Plinius (B. XVl, C. 30) heisst es: "Auch in die ßerggegendon 
rücken hinauf   .            und die zum lüirben der Kleider 
wachsenden Ginster". 
a) Auch hier fragt man sich, welche Kalipfilanzen? gibt es doch 
neben dem Rarinfarn, dem Beifuss, den Distel- und Ampferarten allein 
vierundzwanzig deutsche Giinsefuss- und Meldenarten, welche allesammt 
zur Kaligewinnnng benutzt werden können; und sollten durch die eine 
oder andere Pflanze nicht vielleicht günstigere Resultate zu erzielen sein?
        

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