Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1840432
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Turchan Bog 1) ist's, ein Seldschuke, der Thessalien unter 
türkische Botmässigkeit brachte, und der in die Zahl jener 
seltenen und bevorzugten YVesen gehört, deren Trefflichkcit 
und geniales Wirken Jahrhunderte umfasst, weil es unver- 
siegbare Quellen des Segens und der Wohlfahrt auch 
künftigen Geschlechtern öffnet. Er war es, der auch diese 
Farbekräuter auf thessalisehen Boden übertrug, die Färber- 
Industrie gründete und mit ihren Nebenzweigen, dem 
Weben und Spinnen weiterentwickelte und für lange Zeit 
blühenden Wohlstand dem Lande gab.  Vieles hat sich 
heute geändert; türkischroth-Fürbereien sind im Occidcnt 
mittlerweile ein wichtiger Zweig der Industrie geworden 
und die Erfolge auf dem Gebiete der Chemie lassen 
scheinbar den Anbau der Krapppflanze zu Färbereizwecken 
überflüssig erscheinen, da es ihr gelungen ist, jene Haupt- 
farbestoffe des Krapps, das Alizarin und das Purpurin, 
Stoffe, die sich chemisch und optisch wesentlich unter- 
scheiden und sich dennoch gegenseitig ergänzen, seit etwa 
fünfundzwanzig Jahren als Steinkohlentheerfarben aus dem 
Anthracen künstlich darzustellen. Dies ist für uns inso- 
weit gewiss wichtig zu wissen, als es die Nothwendigkeit- 
zeigt, durchaus zuverlässige sichere Bezugsquellen für den 
Krapp aufzusuchen, um vor einer Unterschiebung von 
Steinkohlentheerproducten bewahrt zu bleiben! Die Gefahr 
ist eine um so grössere, als die ganze Manipulation der 
Lackcrzeugung, worüber Gentele ausführlich berichtet, 
bei Anwendung des künstlichen Alizarins weit bequemer 
als die Anwendung und Verarbeitung des Krapp's ist. 
Die vielen Auswaschungen, Abkochungen, die grossen Ge- 
fässe, Alles dies wird überflüssig, denn die künstlichen 
Farbstoffe sind in Aetzkalif) Actznatron und Ammoniak 
schon kalt und in grosser Menge löslich, so dass die 
1) klallmerayer, Frzigrn. aus d. Orient, XII. . 
2) Auch Kalihydrat, Aetzstein genannt; in der Chirurgie unter 
dem Mamen Kali cansticzum fusum oder Lapis eanstieus angewandt. Die 
wasserige Lösung, für die Verseifung von Betten und Oelen Wichtig, ist 
die sogenannte Kalilauge, die man dadurch gewinnt, indem man kohlen- 
saures Kaliumoxyd oder Kali bei Koehhitze in WVassei' löst und durch- 
gebrannten Kalk (Calciumoxyd) zerlegt. Bei diesem Vorgange nimmt 
der (lurch das Brennen der Kohlensäure beraubte Kalk die Kohlensäure 
des Kali auf, der Kalk wird dadurch, was er vor dem Brennen gewesen 
ist: kohlensaurer Kalk, der nun in Wasser Ilnlöslieh sich zu Boden 
schlägt; das Kaliumoxyd oder vielmehr Kaliumoxydhydrat bleibt gelöst. 
 Genau derselbe Vorgang wiederholt sich beim Aetznatrnn.
        

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