Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1840427
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ist, beträgt etwa das Zehn- bis Fünfzehnfaehe der aufge- 
wendeten Cochenillemenge. Anstatt mit Thonerde kann 
man den Carminlaek auch mit schwefelsaurer Magnesia 
(ISittersalz) darstellen; die Magnesia gibt aber einen hel- 
leren Carminlack. Aus der Verschiedenheit der Verhält- 
nisse, in denen die Substanzen verwandt werden, erklärt 
sich auch schon die grosse Verschiedenheit der Lacke. 
Da des Weiteren durch Zumischung weisser, auflichtender 
Farbstoffe, die im nassen wie im trockenen Zustande er- 
folgen kann, jede beliebige Nüance bis zur zartesten 
Schminke möglich ist, so wird die lange Reihe ausgebo- 
tener rother Lackfarben weiter erklärlich; fordert aber nach 
dem Mitgetheilten zur Vorsicht, und lässt den beschränk- 
testcn Gebrauch gewiss räthlich ersrßheinen.  Mit Rück- 
sicht auf den Seite 78 besprochenen "gebrannten Vene- 
tianischen Lack" oder "Carminlack" hielt ich eine ein- 
gehendere Besprechung an eben dieser Stelle um so 
nöthiger, als mir dieselbe die Gelegenheit bot, eine gewisse 
Üebersicht über das Wesen der betreffenden Farbe, ihre 
Bereitungsweise und gleichzeitig die Bekanntschaft ver- 
schiedener, bei der Farbenfabrikation unentbehrlicher In- 
grediencien zu vermitteln. 
"l-Reiner Krapplack (trocknet sehr schwer). Der 
Sich durch ausserordentliche Aechtheit auszeichnende Farb- 
stoff wird aus der Wurzel der Farbeifröthe, des sogenannten 
Krapp (Rubia tinctorum) gewonnen.  Die Krapppflanze, 
seit dem 15. Jahrhundert in Europa. erneut 1) eingeführt 
und vieler Orten kultivirt, stammt nach Leake aus den 
Bergen Kleinasiens, wo die wildwachsende Wurzel von 
(lßn Einheimischen AÄIQdQI, genannt wird. Künstlich an- 
gßbautf) soll die Wurzel nicht mehr dasselbe schöne Roth 
geben, sie verhalt sich vielmehr zu dem Product der 
wildwachsenden Pflanze, wie Fallmerayer sagt, gleich der 
erkünstelten Andacht und ist ohne Kraft.  Wer kennt 
nicht die türkisch-roth gefärbten Garne, die hauptsächlich 
von Turnovo, Anipelakia und Tscharnitschena in Thessalien 
für die westlichen Christenlander und besonders Deutsch- 
land früher über Pest, Wien und Leipzig bezogen werden! 
1' Reh 1er 
K mpplnuk. 
1) Vitruv spricht B. VII. C. 14 über Farben, welche den Purpur 
ersetzen und sagt: "Man macht auch Purpurfa1'l)un dadurch, dass man 
Kreide mit Krappvvurzcl       färbt     f" 
5') Jedenfalls enthält. der lorvzultixlismwlle Kmpp mehr Färbestoäc als 
11er in lüurolmn gebaute.
        

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