Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1840416
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zeit vielleicht noch mächtiger wirkender Fatktor von Ein- 
fluss wird. Man hat nämlich erkannt, dass, je langsamer 
die Ausscheidung erfolgt, die Farbe um soviel schöner 
wird, und dass die zuletzt ausgeschiedene Farbe die schönste, 
die feurigste ist Man erklärt dies dadurch, indem man 
annimmt, dass zuerst mit der Carminsäure die in der Ab- 
kochung sonst vorhandenen fremden Substanzen mit nieder- 
geschlagen werden. Auf diese Beobachtung gründet sich 
ein berühmt gewordenes Verfahren, nach welchem die Auss 
Scheidung des Carmins erst in beiläufig drei Wochen cr- 
felgt. Die Flüssigkeit nimmt in dieser Zeit einen unan- 
genehmen Geruch an und bedeckt sich mit Schimmel; es 
findet also eine Zersetzung statt, welche allem Anschein 
nach nur die verunreinigenden Substanzen betrifft, und 
damit spätterhin eine reinere Verbintlung zwischen Carmin- 
säure und Thonerde begünstigt; was die intensiver, reiner 
roth und leuchtender erscheinende Farbe bestätigt. Dass 
aber zur Sommerzeit befriedigendcre Resultate erzielt 
werden als in Wintertagen, dürfte vielleicht mehr als auf 
die Einwirkung des Lichtes, auf jene die Zersetzung för- 
dernde Wärme zurückzuführen sein. Weiter ist es von 
Wichtigkeit, die Cochenille-Abkochung als lange Brühe zu 
behandeln, nicht coneentrirt zu nehmen; man rechnet etwa 
1 Kilogramm feinst gepulverte Cochenille auf 75 Liter 
Wasser, welches man zwei Stunden kocht, dann 90 Gramm 
Salpeter (salpetersaures Kali) zusetzt  und nach weiteren 
drei Minuten noch 120 Gramm Kleesalz (saures oxalsaures 
Kali) dem Sude hinzu gibt; darauf lässt man die Flüssig- 
keit noch weitere zehn Minuten kochen. Nachtlem sich 
(lann die Flüssigkeit gesetzt, geklärt hat, wird sie ver- 
mittelst eines Hebers vom Bodensatze abgezogen und in 
{lachen Glasschalen an einem hellen, staubsicheren, glcicl1- 
massig; warmen Orte aufgestellt.  Das Klcesalz setzt man 
zu, Weil die sauren Salze die Eigenschaft haben, zur Aus- 
scheidung des Carmins beizutragen; der Zweck der Sal- 
peterbeilnischung ist nicht aufgeklärt.  Reiner Catrniin 
muss sich bei einer Vermischung mit der fünf- bis sechs- 
fachen Menge von Aetzammoniak (Salmialzgeist) ohne Rück- 
stand auflösen; bilden sich Rückstände, dann ist eine be- 
trügerische Beimischung fremder Körper anzunehmen. 
Stärkemehl, Zinnober, wie andere billigere Lackfarben 
dienen am häufigsten zur Verfälschung.  Die Alaunmenge, 
deren man zur Herstellung eines Carminlackes benöthigt
        

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