Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1840403
Welche der verschiedenen Methoden zur Darstellung 
des Carmins man auch anwendet, gewisse Vorsichtsmass- 
regeln sind unerlässlich. S0 übt die geringste Menge von 
Alkalien oder alkalischen Erden einen das Feuer der Farbe 
mindernden und den Ton ändernden Einfluss. Desshalb 
darf zunächst kein Brunnenwasser, weil dies stets mehr 
oder weniger kalkhaltig ist, zur Auskochung der ganz ge- 
lassenen oder zur Erreichung concentrirter Lösungen in 
einer Art Kaffeemühle zerkleinerten, zermahlenen Cochenille 
verwandt werden; es ist hierbei also destillirtes- oder Re- 
gcnwvasser zu verwenden. Ferner sind bei der Filtrirung 
feine Seidengewebe zu benutzen, weil sich die Poren des 
Filterpapiers zu rasch zusetzen und somit schliessen. Das 
Seidengewebe darf aber nicht mit Seife gewaschen sein, 
weil auch die kleinste Menge der in der Textur des Ge- 
webes zurüekgehaltenen Seife durch ihre Alkalicität nüan- 
circnd auf die Farbe wirken würde. Die peinlichste Sorg- 
Falt in bezug aufReinlicheit hat man dem zur Auskoehung 
dienenden wohlverzinnten Kupfergefass wie auch den üb- 
rigen hier zu verwendenden Glas- und Porzellan-Trichter, 
Geschirren und Schalen zuzuwenden! Da Eisen wahrcnrl 
der Arbeit mit dem ausgezogenen Farbstoff nicht in Be- 
rührung kommen darf, so ist es wohl kaum zu erwähnen 
nöthig, dass der zur Ausscheidung verwendete Alaunl) ab- 
solut cisenfrei sein muss.  Einen wesentlichen Einfluss 
soll das Licht auf die Schönheit der Carminfarbc aus- 
üben, denn es ist nicht möglich, zur Winterszeit eine so 
schöne Farbe zu erzielen wie im Sommer. Ich glaube 
aber, dass hierbei auch noch ein anderer, eben zur Sommer- 
 1) Eisenfreier Alaun wird von den Farbenfatbrikanten aus gewöhn- 
lichem, als Hzindelswaare zu bezeichnenden Alaun in folgender Weise 
dilrgestellt. ln dem füiif- bis sechsfaehen Gewichte WVasscrs wird der 
Aleuin bei Siedehitze in kupfeiiiem Kessel aufgelöst. Dann giesst man 
die Auflösung unter fortwährendem Umrühren in hölzerne Gefässe, bis 
er erkaltet, das heisst die Temperatur der Umgebung angenommen hat. 
Qllruli das beständige Umrühren verhütet man die sonst in der Ruhe 
eintretende Bildung grosser, dicht anschiessender Krystalle, und fällt 
der Alziun nun als Krystallmelil nieder, welches in Wasser abgewaschen 
und getrocknet wird. Mit dem erhaltenen Alanniiiehl Wiederholt man 
flas angegebene Verfahren noch einmal und wird dann anwendbar sein, 
indem der im Alälllll vorhandene Eisenvitriol oder sehwefelsanres Eisen- 
Qxydul in der biutterlatuge zurückbleibt, wodurch selbstverständlich der 
noch dmin enthaltene Alziun um so eisenhaltiger geworden ist.  Doch 
 auch dieser nicht verloren, unter Umständen sogar erwünscht, wo 
Ihlsengelialt erforderlich ist. 
        

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