Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1840392
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Als die Spanier nach Mexieo kamen, fanden dieselben dort 
die Kultur der Scharlach-Sehildlaus vor. Dies lnsect 
treffen wir vornehmlich auf der Cochenille-Fackeldistel 
(Opuntia coccinellifer), eines fast unbewehrten, fast stachel- 
losen acht bis neun Fuss hohen Caetus-Gewväichses Die 
darauf als Parasiten haftenden Weibchen, der den herrlich 
rothen Farbstoff liefernden Scharlach-Scliildlaus, werden 
zum Zwecke der Einerntung mit Bürsten abgestreift und 
dann auf heissen Blechen oder glasirten Thonplatten durch 
Erhitzen in Oefen getödtet Die genannten Insekten haben 
eine ovale Form bei etwa 2 mm Länge, und erscheint die 
runzelige quergefurchte Oberfläche mit silbergrauem seiden- 
glttnzendem Staube bedeckt. Dieser Staub ist auch auf 
den nächstliegenden Theilen des Cactusblattes bemerkbar, 
auf dem das Inseet sitzt; unter dem Mikroskop hat 
dieser den Charakter eines Exkretes und zeigt weisse 
und gekrümmte Cylinder. (de la Rue.) 
Dieselbe Qualität der Cochenille kann auch von dnnkeler, 
braunschwarzer Färbung sein, wenn die geernteten Thier- 
chen entweder durch zu starkes Erhitzen oder durch Ein- 
tauchen in siedendes Wasser getödtet werden sind. Es 
gehen von diesen, Samen nicht unähnlichen leicht zerreib- 
liehen Körnchen, wenn ich die Coehenille so bezeichnen 
soll, etwa 130-150 Tausend Stück auf ein Kilogramm. 
Früher betrug diejährliche Verwendung etwa 30,000 Centner, 
doch ist seit der Einführung des rothen hlärbestoffes aus 
Anilin und Naphtylamin der Handel mit der Cochenille 
sehr zurückgegangen. Dass aber auch hier die Neuerung 
keine Verbesserung in unserem Sinne bedeutet, wissen 
wir schon, und deshalb mag Jeder wohl auf der Hut sein, 
dass er, ganz abgesehen von den früher schon geübten 
Betrügereien, heute für schweres Geld unhaltbare, aber be- 
stehende, an werthlose Stoffe gebundene Farben kauft. 
Da es sich bei der vorliegenden Arbeit nicht zum geringsten 
Theile darum handelt, die Nothwendigkeit der Kenntniss 
der zu benutzenden Malmittel nachzuweisen, und zu zeigen, 
wie es auf diesem Gebiete keine geringfügigen Dinge gibt, 
sondern Alles und Jedes mit Fleiss und grosser Aufmerk- 
samkeit, mit Lust und Liebe behandelt werden will und 
muss, so sind einige weitere, an die Bereitung des aus 
der Üochenille gewonnenen Carmins beziehungsweise des 
Carminlackes geknüpfte Bedingungen gewiss am Platze.
        

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