Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1840278
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Schiittgcalb. 
reinen tief-Braun über in's Rothbraun und schon bis zu 
einem unansehnlichen Grelbbraun. Die Massen sind glanz- 
los, zerbröckeln leicht zwischen den Fingern, haben glatt- 
muschcligen Bruch und nehmen begierig Wasser an, so, 
dass bei Berührung der Zunge diese daran haftet.  
Auch die Sieneser Erde wird künstlich dargestellt und sind 
die vorhin genannten dunkleren Ocker vielfach nur auf- 
gehellte Nüancen dieses Präparates. 
SchüttgelbU wird aus der Wau-Reseda oder Färber- 
wau (Rcseda luteola) gewonnen. Man unterscheidet Winter- 
und Sommerwau, doch ist der Winterwau reicher an 
Farbstoff, der sich vornehmlich in den Blüthenspitzen 
findet; übrigens dient die ganze Pflanze mit Ausnahme 
der Wurzel zu dessen Gewinnung. Die Wau-Rcseda, an 
Wegen nicht seltenf) wird wegen ihres gelbfarbendcn 
Extractivstoffes (Luteolin) 3) vielfach kultivirt.  Das Schütt- 
gelb gehört zu den besseren der in etwa zweifelhaften 
Farben, vorausgesetzt, dass es aus der Wau-Reseda als 
Thonerdelack, als der es gewöhnlich dargestellt wurde, 
auch wirklich ist  Es ist vielleicht nicht unrichtig, hier 
nach Bersch die Herstellung jener Farbe kurz anzuführen, 
indem sie vielleicht dem Einen oder Anderen Aufklärung 
über noch unenträthselte Vorkommnisse bietet Dem Gre- 
nannten zufolge werden gleiche Gewichtsmengen von Wau 
und Alaun mit Wasser übergossen und so lange gekocht, 
bis der Alaun vollständig gelöst und die Flüssigkeit eine 
tiefgelbc lilärbung angenommen hat. Die hcisse Lösung, 
schnell durch ein Leinentuch gegossen, wird langsam mit 
einer Sodalösung versetzt. Unter fortwäihrendeni Umrühren 
setzt man nach und nach kleinere Partien Sodalüsung zu, 
und zwar so lange, als noch ein Aufbrausen erfolgt.  
Es ist wohl zu beachten, dass man ganz eisenfrcien 
Alaun verwendet, indem der geringste Eisengehalt von 
nachtheiligem Einfluss auf die Schönheit der Farbe wird. 
1) Im Jahre 1774 schreibt J. C. Friseh, welcher von Sr. Maje- 
stät dem Könige den Befehl erhalten, den Plafond des Jaspis-Sziales im 
Cavalierhause zu Sanssonei mit Calanisehen Waehsfarben (siehe Anm. 
S. 45) auf Leinwand zu malen, an Bernhard Rode: "Seine (dieses 
Waehses) Wirkung, bei denen Sehittgelben weiss ich nicht, weil ich 
seit vielen Jahren von diesen unbeständigen Farben keinen (iehrzmuch 
mache." 
2) Dr. Johannes Leunis (Botanik) 5. 191. 
3) Ürganisehe Chemie von Dr. V. von Richter.
        

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