Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1840248
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uns zunächst beschäftigenden Ockerarteil in der Form von 
Eisenexydhydrat 1) auf. Die verschiedenen Ocker umfassen 
eine reiche Skala; mit dem lichtesten Gelb beginnend gehen 
sie über bis ins tiefste Roth, Braun und Violett. Der 
Ocker ist eine der wichtigsten Farben; dazu sind die Her- 
stellungskosten gering und ihre Haltbarkeit unbegrenzt.  
ln der Natur findet sich der lichte Ocker zumeist in so- 
genannten Nestern, niemals in ausgedehnten Lagern ge- 
schichtet. Man findet ihn schon auf das feinste zertheilt, 
wie geschlemmt, fast aus reinem Eisenoxydhyclrat be- 
stehend, so dass er sofort als Farbe benutzt werden kann; 
doch findet man ihn selten in dieser Weise; zumeist tritt 
er mit fremden Mineralien vermischt auf.  Ist dem Ocker 
eine gewisse Menge Thon beigemengt, so ist dies nicht 
bedenklich, falls er nur reich an Eisenoxyd ist, das ihn 
beim Glühen tiefroth färbt. Ist der Thon aber im Ueber- 
schuss vorhanden, wie dies z. B. bei unserem gewöhnlichen 
Lehm der Fall ist, dann stellt er ungebrannt eine unschön 
braungelbe und nach dem Brennen das verblasste bekannte 
Ziegelsteinroth dar. Eine grössere Beimengung von Kalk 
ist bedenklicher, denn setzt man den Ocker zur Erreichung 
hoch gefarbter, dunklerer Nuancen höheren Temperaturen 
aus, dann lauft man Gefahr, den Kalk in Aetzkalk zu 
verwandeln, der später auf andere dem Ocker beigemischte 
Farben verändernd wirken kann.  Die bekanntesten, 
1) Es wird den Nicht-Chemiker wohl kaum befriedigen, nur zu 
erfahren, dass das im Ocker auftretende fairbende Element Eisenoxyd 
ist, welches zunächst hier in der Form von Eisenoxydhydrat in die Er- 
scheinung tritt, wesshztlb ich mir noch einige kurze Erklärungen bei- 
zufügen gestatte. Eisenoxyd entsteht, wenn mit Wasser genässtes Eisen 
der Luft ausgesetzt wird, es tritt dann die bekannte Erscheinung des 
Rostens ein. Hierbei nimmt das Eisen so viel Sailerstoff auf, dass es 
zu Oxyd wird; ausserdem aber auch noch eine bestimmte Quantität 
Wasser, welches sich mit dem Eisenoxyd chemisch bindet; in dieser 
Verbindung wird dasselbe Hydrativasser genannt, und ist als die Ursache 
der gelben Farbe des Restes anzusehen. Der Rost ist mithin Eisen- 
OXydhydrat.  Als Hydrate werden nämlich feste, scheinbar trockene 
Körper bezeichnet, die chemisch gebundenes Wasser enthalten. So ent- 
hält z. B. 1 Pfund Eisenrost nahe 6 Loth chemisch gebundenes Wasser 
oder Hydratwasser.  Das mechanisch gebundene Wasser verliert der 
natürliche Ocker schon bei einer Wärmetemperatur von llO Grad, das 
Hydratwasser dagegen verflüchtigt erst bei starker Gliihhitze und ver- 
wandelt sich alsdann das Eisenoxydhydrat in Eisenoxyd; die Masse 
verliert mit dem Entweichen des llydratxvassers die durch dasselbe be- 
dingte charakteristische gelbe Färbung, und erhält jene Farbe, die man 
mit dem Namen Eisenroth bezeichnet.
        

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