Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1840114
gleiche Manipulation. Das Brett bleibt nun horizontal liegen 
bis das Pergament wieder völlig getrocknet ist. Dann 
nimmt man zwei Stücke Bimstein denen man durch mit- 
einander-schleifen zwei glatte Flächen gegeben hat. lst 
dies geschehen, so dass nur noch feines gleiohmässiges 
Pulver beim Reiben fällt, dann reibt man über dem 
horizental liegenden Brettc die Bimsteine miteinander, so 
das Pergament mit feinstem Bimsteinsandc bestaubend. 
Darauf nimmt man ein etwa handgrosses, recht festes, 
glattes, weisses Papier, legt es auf die bestaubte Flache 
und schleift nun mit diesem, die Fingerspitzen der 
rechten Hand leise darauf drückend, unter kreisförmiger 
Bewegung gleichmassig vorgehen-d, die ganze Flache, und 
staubt nachher nur mittelst des Vcrtreibers ab. So vor- 
bereitet, ist die Fläche für jede nur denkbare Technik des 
Miniaturisten praparirt und wird jeder Anforderung ent- 
sprechen.  Nun ist aber die Beschaffung wirklich guten 
Pergamentes heute recht schwierig geworden, und ist es 
wiederum wichtig, ein geeignetes Ersatzmittell) zu kennen. 
Ein solches kauft man aber nicht etwa fertig, man findet 
diese Aushülfen oder Ersatzmittel vielmehr nur im Ver- 
kehr mit praktisch Arbeitenden, wo man Mancherlei sieht 
und sich dienlich machen lernt, was vordem diesem Zwecke 
vielleicht gar nicht gedient hat, was man, im Gegentheile, 
für solche Zwecke vielleicht als ganz unbrauchbar be- 
trachtet hat, das sich aber (lesungeachtet bei passender 
Verwendung als ganz vorzüglich erweist?)  Die Kennt- 
nis dieser kleinen Mittel ist der Thätigkeit des Künstlers 
förderlich, dies tritt aber in noch höherem Masse bei der 
Ilerstellung der Holzbildtafel zu Tage. 
 Siehe Anhang 23. 
2) Hier gelangen wir zu dem Punkte, auf den seiner Zeit schon 
der Anonymns Bernensis verweist, der S. 390. Abschnitt 2 sagt: "Wenn 
du mir nun kommst und sagst: Woher kann ich denn wissen, 0b in dem 
      zu wenig oder zu viel       ? dann will ich dir darauf nur 
so viel sagen," dass du (lergleiehen und noch manches Andere bei einigem 
Nachdenken selber erproben und herausbringen kannst, indem du selbst 
dir eine gewisse Praxis erwirbst, und das kannst rln weit besser selber, 
als wenn ich es dir hinschreiben wollte. Denn ein ehrlicher Künstler 
wird sich selbst als unfähig erklären müssen, wenn er nicht aus eigener 
Erfindnngsgabe Experimente macht und mittelst seines Verstandes ansser 
dem, was er von Anderen gelernt hat, gar nichts weiter selbstständig 
zu eründen im Stande ist. Denn alle und jede Kunst ist erfunden und 
erfasst werden von den Alles dnrchforsehenden Sinnen der Menschen, 
indem Gott, durch den Alles besteht, den Menschen seine Weisheit 
schenkte." 
        

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