Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1840109
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quereinreisst; dies zu verhüten und unter allen Umständen 
sicher zu gehen, ist die einfachste Sache. Man ritzt 
nämlich rund herum mit einer scharfen Nüh- oder Stopf- 
nadel die Linie, WO man das Pergament abzuschneiden 
Wünscht; fahrt man nun mit dem Messer nach, dann 
springt an einer schwachen Stelle das Pergament der ge- 
ritzten Linie entlang, niemals aber querein!  Das 
zum Aufspannen empfohlene Leinenband deckt man, wenn 
man dasselbe mit Leim bestrichen und aufgelegt hat, mit 
einem etwas breiteren Papierstreifen, den man mit den 
Fingern der Linken an einer Seite aufdrückt, und reiht 
darauf sachte mit einem Falzbeine beide Streifen an. 
Man fahrt dabei aber nicht etwa beliebig hin und her, 
sondern streicht von der Linken aus, die den Papierstreifen 
aufgedrückt hält, ganz nach Erfordcrniss immer hin zur 
rechten Seite. Damit das Falzbein stets gleichmässig, 
ohne den leisesten Widerstand gleite und so den gleichen 
Druck übe, fahrt man mit dem Falzbein etwa nach jedem 
zweiten Striche seitlich durch das Haar oder auch nur 
über die Wange; dies genügt schon. Mancher hat dies 
etwas befremdliche Thun wohl schon bei einem gewandten 
Uartonnage-Arbeiter beobachtet und dies für eine ent- 
behrliche Arbeiter-Angewöhnung gehalten, es ist aber eine 
Nothwendigkcit. Denn man reinigt dadurch das Falzbein 
von sich stets anhaftenden Fäserchen oder Staubchen, die 
einem gleichmitssigem Gleiten hinderlich sind, und das 
ruhige Gleiten wird zugleich durch eine Einfettung unter- 
stützt.  Dem Spannen folgt noch das Tonen und Schleifen 
des Pergamentes, denn jenes Pergament, das mit einer 
dicken sich aber leicht auflösenden Schichtel) überzogen 
ist, zeigt zwar nicht mehr die Flecken in den gering- 
werthigercn Häuten, kann künstlerischen Zwecken aber 
nicht dienen; deshalb präparirt man sich die zu bemalende 
Pergainentfläche selbst. Man nimmt hierzu Cremserweiss, 
das  auch noch beliebig zu tonen ist, wie es in den 
gewöhnlichen guten Aquarellfarben geboten wird, und löst 
soviel davon auf, um damit in recht wasseriger Form 
mittelst eines weichen Schwämmchens _die Flache gleich- 
massig streichen zu können. Man beginnt dabei oben 
links, wendet dann das Brett, so dass die vordere rechte 
Seite nach oben kommt und wiederholt "nass in nass" die 
A nonylnus 
Bornensis 
890.
        

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