Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1840098
92 
Sehen wir uns somit auf ein Studium der einschlägigen 
Wissenschaftszwcige aufdas Dringlichste verwiesen, so haben 
die im Verlaufe dieser Erörterungen berührten handwerks- 
massigen Uebungen genügend gezeigt, dass es dem Kunst- 
beflissencn nicht schadet, auch von dieser Thättigkeit etwas 
zu kennen; ja, es ist dies weit nützlicher als Viele glauben. 
UebCY fliß Ein Vorkommniss ganz alltäglicher Art macht deutlich, wie 
 nothwendig dem Künstler gewisse handwerksmässige Fer- 
lnässiwell tigkeiten sind.  Jemand hatte den Auftrag, auf einer 
Fertigliäitell. selten grossen Haut (Pergament) einen überaus reichen, 
künstlerisch prächtig gestalteten Stammbaum zu malen. 
Die Arbeit war schon weit gediehen, als unerwartet in der 
etwas warmen Stube die Haut herunterplatzte. Unter 
vieler Noth und Sorge wurde das Pergament wieder ge- 
feuchtet und mit mehreren Streifen starken Papieres 
gespannt; doch der Unfall wiederholte sich.  Also durch 
Unkenntniss wurde einmal viel Zeit verloren, leicht zu 
verhütende Angst und Sorge getragen, und dazu die Arbeit 
wiederholt gefährdet. Alles dies konnte bei richtiger In- 
angriffnahme verhütet werden Denn zunacht war das 
Porgament von der Rückseite zu stark angefeuchtet 
worden, was besser nicht einmal direkt geschieht, da sonst 
die Haut zu viel Gewalt bekommt und dann kaum zu 
meistern ist. Man heftet besser das Pergament mit Heft- 
zwicken leicht auf ein Zeichnenbrett, stellt das Brett senk- 
recht fest, und hängt etwa um Handbreite davor, ein 
gleich grosses, gut gefeuchtetes, dann aber ausgerungenes 
Tuch. Sobald das Pergament von der Feuchtigkeit beein- 
flusst, leicht wellig wird, dann genügt dies vollauf um 
es zu spannen. Hierzu nimmt man wiederum keine 
Papierstreifen, sondern gutes, daumbreites Leinenband. 
ist die Haut sehr gross, und besitzt sie deshalb grössere 
Zugkraft, dann nimmt man vorsichtshalber noch ein zweites 
etwas breiteres Band und klebt dieses ebenfalls mit gutem, 
nicht zu kurz gekochtem, in linder Wärme erhaltenem 
Tischlerleini so auf, dass es das erstgeklebte Band auf 
dem Pergamente wie auch auf dem Bette etwas überragt. 
 Das nach Beendigung der Arbeit erfolgende Abspanncn 
muss wiederum gekannt sein, denn dies ist bei grösseren 
Flächen für die Arbeit nicht gefahrlos. Schneidet man 
nämlich mit dem Messer das Pergament herunter, dann 
kann es leicht vorkommen, dass an einer etwas dünneren, 
somit widerstandsloseren Stelle, das Pergament krachend
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.