Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1840063
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eigene Unfähigkeit verhindert! Denn die Arbeiten, welche 
man Anderen zur Ausführung überträgt, muss man doch 
mindestens zu überwachen im Stande sein, auf ihren Werth 
oder Unwerth zu prüfen vermögen; dazu hängt es doch auch 
wieder vom Auftraggeber, hier vom Maler ab, die geeig- 
neten Anordnungen zu treffen sein jeweiliges Werk durch 
eine, dem entsprechenden Falle angemessene Unterlage 
dauernd zu sichern. Dies kann man aber nicht, wenn 
man ohne jede Kenntniss derjenigen Dinge geblieben ist, 
die man nur im praktischen Leben gewinnen kann, wenn 
man einer nur einseitigen Lehrmethode gefolgt ist. Hätte 
wohl Dürer, dieser ehrliche, aufrichtige Mann an Jakob 
Heller unter dem 26. August 1509 geschrieben: "Ich weiss, 
wenn Ihr sie die Bildtafel) sauber haltet, dass sie 500 Jahre 
sauber und frisch sein wird". . .  . wenn er nicht die 
Präparation des ganzen Werkes von Grund auf geleitet, 
und damit die zuversichtliche Gewissheit erlangt hatte? 
Dürer aber durfte überzeugt sein, dass sein richtig vorbe- 
reitetes und mit aller Erfahrung und Klugheit durchgeführ- 
tes Bild sich halten musste. Und dass diese Ueberzeugung 
wohl begründet war, beweist sein 1504 Vollendetes Bild: 
„Die Anbetung der hl. drei Könige" in der Tribuna der 
Galleria degli Uffizi zu Florenz, ein Bild von geradezu 
wunderbarer Erhaltung und wahrhaft köstlicher Färbung. 
Doch um so wie Dürer sprechen zu können, muss man 
nicht allein seine Kunst, sondern auch das Handwerk ver- 
stehen, wie eben dieser es verstanden hat; man muss eben 
Alles Dasjenige wissen, was zur Fertigstellung einer solchen 
Arbeit zu wissen nothwendig ist. Man muss also auch 
Kenntniss von der Anfertigung der Holztafel haben, man 
muss die Präparation des Grundes kennen; und wer das 
auch wüsste und wäre weiterhin nicht auf das Genaueste 
über die Bereitung der erforderlichen Mittel zur Ausführung 
unterrichtet, der würde dennoch nicht mit positiver Ge- 
wissheit die Dauer seines Werkes vorher bestimmen können. 
Was also erforderlich ist, ist, um es kurz zu sagen, eine 
umfassende Kenntniss aller das Fach berührenden Wissen- 
schaftszweigel  Es hat  fast etwas Rührendes, von 
Lionardo da Vinci, dieser Heroengestalt unter den Künstlern 
aller Zeiten zu erfahren, wie ihn die Freude am Lernen 
stets begleitete, und wie ihn eben diese sein ganzes 
langes ruhmvolles Leben nicht verlassen und ihn zu rast- 
losem Weiterforschen getrieben, das ihn weit über seine
        

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