Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1840056
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haben wir es heute weitaus bequemer, indem uns die 
chemischen Fabriken eine grosse Summe von Farben und 
Nüancen zu billigen und immer billigeren Preisen bieten. 
Ist es aber deshalb besser? Können jene in Massen herge- 
stellten Farbcn auch nur annähernd den Vergleich bestehen 
mit den alten, und ienen heute noch im Oriente und in Europa 
bei den schon im Verlaufe dieserSchrift erwähnten Süd-Slawen, 
welche vielfach selbst aus Vegetabilien: Rinden, Blättern, 
Wurzeln, Beeren etc. hergestellt sind, und durch Haltbar- 
keit und Schönheit sich auszeichnen? Können wir heute, 
sei es auf nassem oder trockenem Wege, auch nur 
annähernd die Leuchtkraft, das Feuer und die Ergiebig- 
keit des chinesischen Zinnobers erreichen? Das alte Ultra- 
marin, das Lapislazuli, wurde derzeit mit Gold aufgewogen, 
heute kauft man das Kilo besten, künstlich dargestellten 
Ultramarins für wenige Mark; ist es aber deshalb für 
den Künster besser geworden? Man sagt zwar, dass die 
Bestandtheile des Lapis lazuli und des künstlich dargestell- 
ten Ultramarins die gleichen seien, wenn das aber so ist, 
woher kommen dann die verschiedenen Reactionen, die 
doch nicht wegzuleugnen sind. Auch mag gerne zuge- 
standen werden, dass unter diesen Kunstprodukten Proben 
von überraschender Schönheit anzutreffen sind, aber das 
Fabrikat ist noch weit, weit entfernt von jenem ebenso 
unverwüstlichen wie unnachahmlichen, kostbaren tief-korn- 
blumblauen Tone des Naturprodukts.  
Ußber die Angesichts solcher Thatsaehen war es also kein wahres 
Weiteren Voplfreimacllen, also keine fördernde, keine wirkliche Erleich- 
theilc, welche    . . 
dem Lcmmbterung fur den Kunstschuler, als ihn die Akadenneaus- 
den die alte bildung der Pflichten eines Lehrlings und Gesellen der 
Küllstlßrwßrk- alten Kunstwerkstätten enthob. Sie entband ihn zwar von 
Stätte bot vielen mehr handwerksmässigen Thatigkeiten, die, wie cr- 
wiesen, nie störend, in sehr vielen Fällen aber fördernd 
und nutzbringend geworden sind, da deren Erlernung den 
Künsler frei, unabhängig, kurz, zum selbstständigen Manne 
gemacht haben, und vergebens suchenwir nach einem Er- 
satze für die mit den scheinbaren Belastungen genommenen 
Vortheile. Man sollte auf vieles Abgeschaffte nicht mit 
allzu grosser Geringschätzung hinblicken, denn darunter 
befinden sich viele Dinge, die man kennen und können 
muss! und zwar deshalb, um nicht bei höchst-wichtigen 
Arbeiten ganz und gar auf Anderer Hülfe angewiesen zu 
sein, über deren Fähigkeit ein Urtheil sich zu bilden die
        

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