Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1840049
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des Kunstgewerbcs wie auch des Handwerks, die eine An- 
näherung vermittelten und ein gegenseitiges Sichverstehen 
und, wenn ich mich so ausdrücken darf, ein "Sich  in  die 
Hand  arbeiten" ermöglichten, was zu einem rühmlichen 
 führte. Wie diese uns leider fremd ge- 
wordenen Verhältnisse fördernd gewirkt, zu welchem Kunst- 
können sie Anlass geworden sind, lehrt uns wahrlich ge- 
nugsam der Augenschein. Denn was sie erreicht, beweisen 
uns die Schätze der Gemäldegallerien, die Kunst? und 
Raritäten];ammern unserer Museen, die Glasmalereien unserer 
Kathedralen und deren Schatzkammern voll kostbarer Pre- 
tiosen und Erzeugnisse der Emaillemalerei; die Sakristeien- 
schiünläe mit seltenen Werken der Nadehnalerei und 
trefflichen W ebstuhlarbeiten, die Bibliotheken mit den 
durch Miniaturen geschmückten Codices, in denen sich oft 
so Vieler Verdienste vereinigen, wenn wir das herrlich 
bereitete Pergament, den Glanz des Goldes und die von 
der Zeit unberührt gebliebene, oft wahrhaft berückende 
Färbung des reichen malerischen Schmuckes, die Schön- 
heit der Schrift und wiederum den Band mit seinen mäch- 
tigen Schliessen, eine lileisterleistung des Handwerkes, 
bewundern!  Kommen wir nun zu der Frage der Mate- 
rialienbesehaffung  hier können uns nur die Farben 
beschäftigen  so sagt darüber Dr. Josef Berschzl) "Die 
Zeit, in welcher die Maler auch zugleich Farbenfabirikantcn 
waren, liegt noch nicht sehr weit hinter uns; die Dar- 
stellung mancher Farbe von besonderer Schönheit wurde 
Sogar von manchen glücklichen Besitzern der Vorschrift 
als grosses Gcheimniss behandelt und die Farbe von ihnen 
um ausserordentlich hohe Preise verkauft. Welcher Ab- 
stand zwischen jener Zeit und der Gegenwartlm)  Zwar 
1) Die Fabrikation der Mineral- u. Lackfarben v. Dr. J. Bersch. 
2) Dieselbe Klage, welche wir zu führen wohl berechtigt sind, ver- 
nehmen wir auch bei Plinius; sein, wohl nicht ganz wörtlich aufzu- 
fztssender, doch deutlicher Hinweis, mag uns heute die angeregte lrlrage 
nicht als unbedeutend erscheinen, und uns den richtigen Weg erkennen 
lassen. B. XXXV, C. 32 heisst es: „Nur vier Farben       brauch- 
ten zu ihren unsterblichen Werken Apelles, Action, llnlßlülltllillä und 
Nikomaehns, die berühmtesten Maler, während jedes ihrer Gemälde mit 
dem Vermögen einer Stadt bezahlt wurde. Jetzt aber, wo sogar der 
Purpur auf die Wände übergeht und Indien den Schlamm seiner Flüsse 
und die Jauche der Drachen und Elephanten beisteuert, gibt es keine 
edle Malerei mehr. Alles war also damals besser, als die lllittcl 
geringer waren".      
        

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