Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Seele und das Kunstwerk
Person:
Lichtwark, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1837895
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838731
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Wie für die schaffende Seele gilt auch für die 
geniessende der Begriff der Form, und wenn der 
Künstler sie in unseren Tagen selten erreicht, so 
bleibt in unserer Kultur der Aufnehmende mit 
einem noch unverhältnisrnässig höheren Satz hinter 
seiner Form zurück. 
Die Thatsache kommt ihm freilich selten zum 
Bewusstsein. Er pflegt sich in einem beneidens- 
werten Zustande der Selbsttäuschung zu befinden, 
gebärdet sich mit pappenen Centnergewichten ästhe- 
tischer Formeln wie ein Hercules und glaubt mit 
Blitzesschnelle die äussersten Grenzen der Erkennt- 
nis durcheilen zu können, ohne Mühe und An- 
strengung. 
Er macht in seiner stetigen Bereitschaft, ohne 
Arbeit, Studien und Selbstzucht erkennen und be- 
urteilen zu wollen, alle Gesetze der Dynamik der 
empfindenden Seele und des erkennenden Ver- 
standes zu Schanden und handelt, als ob er über- 
zeugt wäre, ohne jegliche Vorbereitung so viel be- 
greifen zu können, wie das Genie schaffen kann 
 und eher noch etwas mehr.
        

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