Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Seele und das Kunstwerk
Person:
Lichtwark, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1837895
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838580
Auch Boecklins Anschauung der Farbe erscheint 
uns nun schon historisiert. 
Sie wurde zuerst in den siebziger Jahren als 
ein Novum auch vom Publikum in Deutschland 
empfunden und abgelehnt. Es war dieselbe Zeit, 
da die Masse der Künstler, das gesamte Kunst- 
gewerbe und das ganze Publikum sich dem Stern 
Makarts zuwandten. 
Boecklin und Makart waren damals widerstrei- 
tende Pole der Entwickelung. jener einsam, ver- 
lassen und, wo er sich sehen liess, verspottet, dieser 
timlagert und umjubelt. 
Es will uns heute kaum in den Sinn, dass 
Makart der jüngling und Boecklin damals der Mann 
war, der seinem fünfzigsten Lebensjahr sich näherte. 
Wo Makart in den siebziger Iahren vor dem Publi- 
kum stand, war Boecklin schon in den fünfziger 
gewesen. 
Makart hatte sein seltenes Talent in den Dienst 
der Masse gestellt, in der nach so viel blosser Zeich- 
nung und Austuschung, nach so langem Genügen 
am farblosen Karton und am bunten Fresko das 
Verlangen nach Farbe erwacht war. Er bot ihr, was 
sie schon begreifen konnte, und bot es ihr in einer 
Form, die ihr durch das Riesenmass imponierte, 
wo sie damals noch nicht abgestumpft war durch 
das Panorama. 
Und die Masse war ihm dankbar, huldigte ihm 
auf den Knieen, überschüttete ihn mit den Schätzen 
des Abend- und Morgenlandes und stellte ihn
        

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