Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Seele und das Kunstwerk
Person:
Lichtwark, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1837895
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838537
vorwärts gethan haben sollte. Als Erklärung des 
merkwürdigen Phänomens wurde wohl achselzuckend 
die Macht der Mode angenommen. Wer sich mit 
dieser Motivierung nicht begnügte, rief den Begriff 
der Suggestion zur Hilfe. 
Dass das Vermögen, Kunst zu erkennen, nicht 
so erheblich gestiegen sein kann, muss zugegeben 
werden. Wenn heute ein neuer Boecklin aufträte, 
würde es ihm nicht besser ergehen als dem Alten 
von Fiesole, der nun so spät und doch noch immer 
unerwartet als Triumphator in die Herzen einzieht. 
Auch die Annahme einer Modebegeisterung erklärt 
nichts, denn diese Erscheinung bedarf selber erst 
der Erklärung, sie ist Wirkung, nicht Ursache. 
Anders steht es mit dem Hinweis auf eine 
Massensuggestion, die in der That vorhanden war. 
Es fragt sich nur, 0b man sie, wie es wohl ge- 
schehen ist, verspotten und vornehm belächeln soll, 
oder ob man in ihr eine wohlthätig wirkende Elemen- 
tarkraft zu begrüssen hat, die nicht als ein Zufalls- 
produkt in diesem einzelnen Falle, sondern als eine 
Notwendigkeit jedesmal auftritt, wo es sich um das 
Verständnis des Genius handelt. 
In Berlin und Hamburg habe ich Gelegenheit 
gehabt, das Publikum zu beobachten, habe dieselben 
Menschen, die vor einem Jahrzehnt pfauchten, wenn 
Boecklins Name genannt wurde, 1nit leuchtendem 
Blick im Anschauen versunken gesehen, war anfangs 
sehr misstrauisch und habe doch nicht ernstlich an 
ihrer Ehrlichkeit zu zweifeln gewagt.
        

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