Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Seele und das Kunstwerk
Person:
Lichtwark, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1837895
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838361
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Auch ohne die Kraft der Liebe und Sympathie 
ist Urteil nicht möglich, namentlich über die Werke 
der Kunst nicht, denn sie sind Erzeugnisse einer 
liebenden Seele und können nur von der Liebe er- 
kannt werden. Es giebt kein anderes Mass dafür. 
Das Herz ist der oberste Richter über den Menschen 
und alles, was er erzeugt. Eine kalte Natur ist 
bei starkem Verstande auf Klugheit beschränkt, und 
der kalten Klugheit sind bei der Erkenntnis der 
Menschen und Produkte sehr enge Grenzen gezogen. 
Was von der Musik jeder weiss, dass der klare Ver- 
stand, der nichts weiter ist, kaum ein halbes Urteil 
hat, gilt auch von der bildenden Kunst. 
Hass dagegen hat überhaupt kein Urteil. Er 
bringt es, wie der blosse Verstand, in künstlerischen 
Dingen nicht über die negative Kritik hinaus, im 
allerbesten Falle nur bis zur Anerkennung, womit 
im Grunde noch gar nichts gewonnen ist. 
Wer es eingesehen hat, wie ungeheuer selten 
die schon einzeln nicht allzu häufig auftretenden 
Qualitäten, auf denen die Fähigkeit des originellen 
Urteils beruht, Charakterstärke, klarer Verstand und 
ein Herz voll Sympathie und Wohlwollen, sich in 
einem Menschen vereinigen, geht mit einem inneren 
Lächeln durch unsere Welt, in der jedermann, ohne 
sich zu fragen, ob er sich selber und die Dinge 
kennt, ein so überraschendes Quantum. von Urteilen 
hervorbringt.
        

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