Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Seele und das Kunstwerk
Person:
Lichtwark, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1837895
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838355
In 
der That 
lassen 
sich die allermeisten fehlerhaften 
Urteile darauf zurückführen, dass vom Neuen eine 
Wiederholung des Alten erwartet wird. 
Die historische Begabung sucht die Natur 
des Gewordenen zu verstehen, die politische die 
Kräfte, die im Werden sind. Es ist nicht die Regel, 
dass der hervorragende Historiker auch ein ein- 
sichtiger Politiker ist, wahrend umgekehrt der frucht- 
bare Politiker auch durch treffende historische Ur- 
teilsfähigkeit zu glänzen pilegt, denn die politische 
Begabung ist die umfassendere. 
Das Publikum war im neunzehnten Jahrhundert 
der lebendigen Kunst gegenüber wohl ausnahmslos 
Historiker, fast nie Politiker. 
Es beurteilte werdende Dinge nach seiner histo- 
rischen Erfahrung und Gewöhnung und hatte erst 
zu lernen, dass das Urteil über die Mitwelt auf 
der Fähigkeit beruht, die neuen Qualitäten des im 
Entstehen Begriffenen oder des eben Entstandenen 
vorurteilslos zu erkennen und anzuerkennen, auch 
wo es der Gewöhnung widerstrebt. 
Andere Fehlerquellen des Urteils liegen nicht 
in zeitlichen und örtlichen Zuständen, sondern in 
der Unzulänglichkeit der Durchschnittsnatur. 
Gültiges Urteil kommt fast nur bei starken 
Charakteren vor, weil es persönlichen Mut voraus- 
setzt. Der Schwächere vermag weder eine Situation 
noch eine Sache zu beurteilen. Darin liegt die 
Macht des Menschen, der, Lassalle hat es erkannt 
und ausgedrückt, xsagen kann, was iste.
        

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