Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Seele und das Kunstwerk
Person:
Lichtwark, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1837895
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838264
Is 
wandten, kauften die Handzeichnungen der grössten 
Meister aus den Ramschmappen der fliegenden 
Antiquare des Quai d'Orsay. 
Uns geht es nicht besser. Was wäre aus den 
Werken Philipp Otto Runges geworden, wenn die 
Pietät seiner Nachkommen sie nicht gerettet hätte? 
Dass wir heute zu erkennen vermögen, was für 
Begabungen wir in Hamburg an den Speckter und 
Oldach besassen, verdanken wir einzig den Mit- 
gliedern ihrer Familien, die ihre Bilder und Zeich- 
nungen nicht haben verkommen lassen. Und die 
Zeit ist uns so nahe. 
Innerhalb 
eines Menschenlebens 
vollziehen 
sich 
so die tiefsten Wandlungen. Dass ein Künstler in 
seinem Alter die frischesten Werke seiner Jugend- 
kraft nicht mehr leiden kann, scheint fast ein Gesetz 
zu sein. Hennann Kauffmann reichte eine Petition 
bei der Verwaltung der hamburgischen Kunsthalle 
ein, dass man eins der Hauptwerke seiner Mannes- 
jahre, die Propsteier Fischer, aus der Galerie ent- 
fernen möchte. Er verstand das Bild selbst nicht 
m ehr. 
Es 
WEIT 
seinem 
Gefühl 
zuwider. 
In unserem Jahrhundert war es dann das Schick- 
sal vieler der grössten Künstler, dass die Seelen für 
ihre Werke noch nicht da waren, als sie schufen. 
Es dauerte ]ahrzehnte, bis nur für die Mehrzahl 
der Besten ihres Volkes Existenz gewonnen hatte,
        

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