Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Seele und das Kunstwerk
Person:
Lichtwark, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1837895
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838257
Diese Zerstörung einer Welt von Kunst ist nicht 
ein einzelner, durch die ungeheure Katastrophe des 
Unterganges der alten Welt erklärbarer Fall; er 
wiederholt sich vom Mittelalter her Iahrhundert um 
Jahrhundert. Sobald die Seelen gestorben, sanken 
die Kunstwerke, die für sie geschaffen waren, in 
Schutt und Staub. Was erhalten blieb, verdankt 
seine Existenz einem Zufall, in der Regel seiner 
Verbindung mit dem Kultus. Denn was besitzen 
wir noch von der Baukunst aus der ersten grossen 
Blütezeit unseres Volkes? Ein paar Dome stehen 
aufrecht, von den Palästen der Kaiser und Grossen 
ist nichts intakt. Wenn vor einem Jahrhundert die 
gewaltigen Bildwerke im Dom zu Naumburg oder 
Bamberg, die wir heute zu unserem edelsten Besitz 
rechnen, zerstört worden wären, keinem Menschen 
wäre der Verlust zu Herzen gegangen. S0 ist es 
der Gotik gegangen, als die Renaissance tagte, so 
der Renaissance, als das Barock kam, so dem Ba- 
rock und Rokoko, als der Klassicismus die Herrschaft 
antrat, und dem Klassicismus und seiner Nachfol- 
gerin, der Romantik, in der Epoche des Realismus. 
Mir steht als ein unauslöschlicher Eindruck in 
der Erinnerung, dass mir Jakob Burckhardt gestand, 
wie widerwärtig ihm einst alle Kunst der Spät- 
renaissance, des Barock und Rokoko gewesen sei. 
Nach einem Hauptwerk Watteaus durften die Schüler 
Davids mit Brotkugeln schiessen, dann kam es auf 
den Trödelmarkt. Die ersten Sammler, die sich 
in der Mitte unseres Jahrhunderts dem Rokoko zu-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.