Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Seele und das Kunstwerk
Person:
Lichtwark, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1837895
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838244
und Tritt. Nicht nur die einer fernen Vergangen- 
heit, auch die unseres Jahrhunderts, auch die unserer 
Tage.  
Ein Bürger des römischen Reiches, der im drit- 
ten Jahrhundert den Besitz seiner Welt an unver- 
gleichlichen, für die Ewigkeit gegründeten Bau- 
werken, die unzählbaren Legionen von Statuen in 
unverwüstlichem Erz und Marmor, die wie ein zwei- 
tes Volk seine Städte bevölkerten, den Schatz an 
Litteratur aller Gattungen, an Musikwerken über- 
schlug, musste das für einen ewigen Besitz der 
kommenden Geschlechter ansehen. Die Welt wusste, 
was sie daran besass, und hütete den Schatz. Was 
ist daraus geworden? Sobald die Seelen nicht mehr 
da waren, die diese Kunst fühlen konnten, war 
alles verweht. Die Marmorstatuen wanderten in die 
Kalköfen, die Bronzen wurden zu Kesseln und 
Glocken umgeschmolzen, die Tempel als Steinbrüche 
benutzt, die Pergarnente zu Schuhsohlen. Und was 
ist uns übriggeblieben? Nur das, was zufällig nicht 
zerstört wurde oder was, wie die Werke der Dichter 
und Historiker, in einzelnen Seelen des Mittelalters 
noch Empfindungen zu wecken imstande war. 
Es ist bezeichnend, dass die Kunstwerke, die auch 
den Verstand oder die Neugier fesseln konnten, er- 
halten blieben, die Epen und Erzählungen, Werke 
im Material der Sprache, die auch dem Verstand 
zu thun geben, und dass die dem praktischen Be- 
dürfnis dienende Architektur am längsten lebte 
und am frühesten wieder erwachte.
        

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