Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Seele und das Kunstwerk
Person:
Lichtwark, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1837895
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838225
nur scheinbar einer anderen Kategorie von Schaffen- 
den an. Das Beste leisten auch sie nur in dem 
Moment, wo ihr Verstand nicht weiss, dass noch 
andere in der Nähe sind, wo sie sich der Produk- 
tion oder Reproduktion ganz hingeben. 
Unter diesem Gesichtswinkel muss das Erzeug- 
nis der bewegten Menschenseele, das Bild, das 
Musikstück, das Gedicht, zuerst betrachtet werden. 
Es ist als Produkt einer Empfindung das Echo eines 
Eindruckes, den die Welt auf ein Menschengemiit 
von starker Empfindung gemacht hat, ganz auf sich 
gestellt. Es hat mit dem Publikum zunächst gar nichts 
zu thun, und das Publikum hat weder Anspruch 
noch Anrecht darauf. Wer die bekannten und oft 
gehörten Wendungen in den Mund nimmt: Vorn 
Künstler verlange ich, der Künstler soll, der Künst- 
ler muss,  der beweist damit nur, dass er keine 
Ahnung hat, wie das Kunstwerk entsteht. Mit solchen 
Forderungen mag er dem Handwerk gegenüber- 
treten, das ihm dient, er mag sie vor der breiten 
Masse der künstlerischen Produktion erheben, der 
Marktware, die einem vorhandenen Bedürfnis ent- 
gegenkommt. Nach der Kunst des Genies hat 
kein Mensch auf der Welt Bedürfnis, ehe sie da 
ist, ausser dem einen, der sie erzeugt. Den anderen 
wird sie Bedürfnis nur soweit sie sie nachzuempfin- 
den, das heisst nachzugestaiten imstande sind. 
Das Kunstwerk hat die Eigenschaft, die Empfin- 
dung, aus der es entspmngen ist, in anderen Seelen, 
die sie nicht selbständig haben oder ausdrücken
        

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