Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Seele und das Kunstwerk
Person:
Lichtwark, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1837895
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838196
hunderts enthielt, stand seine Umgebung ratlos davor, 
und er wurde immer wieder gefragt, was er mit 
diesen Bildern sagen wollte. Wenn ich es sagen 
könnte, antwortete er, brauchte ich es nicht zu malen. 
Dies Wort trifft das Wesen aller grossen Kunst. 
Der blossen Intelligenz steht vom weiten Reich der 
Kunst nur eine enge Vorhalle offen. Die Sprache 
der Dichtkunst, die Musik, die bildende Kunst sind 
Ausdrucksmittel nicht des Verstandes, sondern einer 
starken, besonders gearteten menschlichen Seele. 
Es kommt in der Kunst nicht darauf an, dass 
etwas gemacht, sondern dass etwas ausgedrückt wird. 
Das Machen lässt sich mit Hilfe einer guten 
Schulung und einer gewissen Intelligenz erlernen. 
Aber die Kunst der Musik besteht nicht darin, dass 
man imstande ist, die Form des Walzers, der Sonate, 
des Liedes auszuführen mit Hilfe der künstlerischen 
Ideen, die Gemeingut sind, wie Luft und Licht, 
die Kunst der Poesie ist nicht erreicht, wenn sich 
einer geübt hat, Verse nach Heines Art zu ver- 
fertigen, die Kunst der Malerei hat noch nicht be- 
wältigt wer gelernt hat, ein Landschaftsmotiv oder 
eine Figur korrekt zu zeichnen oder zu malen. 
So weit kann jeder kommen, der nicht unter dem 
Durchschnitt begabt ist. Von Kunst aber darf erst 
die Rede sein, wenn eine neue und eigene Ern- 
piindung Gestalt gewonnen hat. Das ist der Grund, 
weshalb so viele Bilder, die als Mache keinen Tadel 
verdienen, mit der Kunst nichts zu thun haben, dass 
so viele Musikstücke, so viele Gedichte, deren
        

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