Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Witsen - Zyx
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1825336
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1826294
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W oollctt , 
WViIIinm. 
 
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Schrift theuer bezahlt. Von den Driiclivarietiiten hängen jetzt über- 
haupt die Preise ab, so dass der Unterschied ausserordentlich gross 
ist. Wir haben aber es hier zunächst mit der Charakteristik der 
VVerke zu thun, und lassen als lang bewährte Autorität den A. Bartsch 
sprechen. Dieser macht zuerst auf die eigenthüinliche Freiheit der 
Nadel aufmerksam, womit Woollett in Darstellung des Blätter- 
werks, der Baumstämme, des grasichtcn Bodens und der Felsen 
eine eben so geniale Abwechslung, als den jedem dieser Gegen- 
ständc zukümmliehen wahren Charakter hervorbrachte. Der ge- 
liillwllß Künstler und Schriftsteller bewundert den spielenden Gang 
der Nadel, und sagt, dass man von ihrem Zauber hingerissen werde, 
und daher die in einigen Blättern vorkommenden Ausschweifuu- 
gen und Uebertreibungen gerne nachsche. Woollctt radirte in den 
Vorgrüiiden mit ungewöhnlich breiten Strichen, überschnitt sie 
dann mit dem Grabstiehcl, füllte die leeren ZwiSClICHrällInß Sorg- 
fältig aus, vermalic dadurch seine Stricharbeit mit allerlei verstän- 
dig angebrachten Punkten, machte das "Wasser und die Luft init 
reinem Grabsticliel, und erzeugte dadurch liupferstiche, die eine 
Iiraft, Wärme und Harmonie darbieten, wie sie vor ihm im Land- 
schaftsfachc kein liünstler hervorgebracht hat. 
Bartsch betrachtet also den Künstler vornehmlich von land- 
schaftlieher Seite, Woollett beschränkte sich aber darauf nicht al- 
lein. Er verband mit der Landschaft auch historische Sceneu unil 
Schlachten. und trug seine dicken und rauheii Striche, welche den 
geistreichen, pikanten Pinsclzug des Landschafters mit bewunde- 
rungswiirdiger Leichtigkeit nachahmen, theilweise auch auf die 
menschliche Figur über. ln seiner Vorliebe für Abwechslung lies; 
er sich zuweilen sonderbare Dinge zu Schulden kommen, indem 
ihm die Freiheit und Verschiedenheit des Striches ersetzen sollte, 
was andere durch einsiclitsvolle Mässigung erreichen. In Blättern 
dieser Art fällt die Uebertreibung gewisser Partien besonders auf. 
So scheint iui Bilde des Todes des Generals YVolfe die Haut de; 
hingekauerten Caiiadicrs wie ein ins Grobe gehauencr Sandstein 
zu seyn, und die Mütze zu den Fiissen eines Grenailiers so roh 
geätzt, dass man sie für ein Stück rohen Granites halten möchte, 
Der Erdboden gleicht in den gesclilängelten Linien und dicken 
Punkten eher einer Iiicslage, als unbebautein Lande, lässt aber den 
Pulvcrdampf um so leichter und clunstiger aufsteigen. Kein ande- 
rer Künstler hätte in dem Bilde der Schlacht von La Hogue die 
Wände der Schiffe und Hähne so hart und holperich schralfirt, 
dass sie seit der Sündlluth der Witterung ausgesetzt zu seyn schei 
nen, allein sie machen die Wellen nur um so flüssiger und durch- 
sichtiger. Uebertreihungeu solcher Art gelingen nur einem_ Ta- 
lente Woollettls, und viele andere liiinstler SCllBltGriBIls.WBll sie 
ohne weise Berücksichtigung des Charakters des Urbildes die viven- 
trische Freiheit des Meisters fiiriSchönheit hielten. Dieser machte 
aber mit den beiden genannten Blättern Epoche; dendvoln Tode 
des Generals VVolfe bis zur Schlacht von Lalrlugue datirt die Auf- 
nahme der englischen Stecherliunst, wenn gleich die historischen 
Arbeiten neben der Masse von Landschaften und Bilderbüchern 
noch längere Zeit geringen Lohn erlangten. Mit dem '.l'ode Wolfeb, 
gründete aber Woollctt sein Glück, denn er 'trug ihm 7000 Pf. St, 
ein. Das Blatt gcliöit auch zu den berühmtesten des Meisters; 
die Schlacht von La Irlogue, das Gegenstück, wurde aber nicht 
"geringer gehalten. Es gab indessen eine Zeit, wo fast alle Blätter 
des Meisters mit llfiinilen bezahlt wurden. 
YVoollctt starb zu London 1785. Wenn Blätter ein späteres 
Datum tragen, wurden sie erst nach dem Tode des liiinltlers von
        

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