Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Witsen - Zyx
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1825336
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1825836
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Wohlgemuth , 
Blichael. 
auf eine energische und mannichtaltige Charakteristik, und dem 
gemäss auf eine scharfe, bestimmte Fornienbezcichnung hinwies. 
Ueber den Charakter dieser Schule spricht sich Scliorn in sei- 
nen Mittheilungen zur Geschichte der Bildsclinitzcrei in Deutsch- 
land, liunstblatt 1856 Nr. 1-5, und nach iliiu liugler (Ilandbuch 
der [Kunstgeschichte S. 795) erschöpfend aus. Nach Schorn steht 
Wolilgeinutli zwischen den külnischen Meistern (Wilhelm und Sie- 
phan von Cülil) und den Niederländern (J. van Eyck, llogicr van der 
Weyden, I-I. Memling etc.) ungefähr in derselben Mitte, wie Israel 
van Meckenen (oder der Meister der Lieversbergdsehen Passion). Ex. 
hat noch den häufigen Gebrauch der goldenen Lüfte und der te1_ 
lerfürmigen Glorien, zeichnet seine Figuren mit schmalen Sohn]- 
tern, etwas verdreht um die Hüften, die Gesichter rundlich, mit 
'starlt eingeladenen Wangenknochen, feinen Nasen und Augen, und 
kleinem Munde, worin er etwas Ideales sucht, und fast bis zu, 
Manier geht. Diess Alles ist Modiiicfhion der ltülnischen Schult 
Er hat aber eine grosse Anzahl von Motiven und Costümen, und 
besonders den Gewandwurf aus der Schule der van Eyckjwvelehe 
er indess weder an Geschick der Coinposition, noch an Richtig. 
heit der Zeichnung und IiraftdcrFärbIung erreicht. Was ihn aber 
hauptsächlich von J. van Eyclt unterscheidet, ist der grelle Uebep- 
gang von wahrhaft edler, und oft zarter Schdnheit zu ltarrikirtel. 
Hässlichlteit. Während in der ltülnischen Schule durchgängig eine 
gewisse ldealitüt herrscht. bei van Eyck und seinen nächsten Schi; 
lern die Charaktere zwar bildnissartig genommen, aber edel gehaL 
ten, und die Abstufungen vom Mehr- und Minder-schönen mit Frei- 
heit gewiililt sind, sehen wir in Wohlgemtitlfs Werken immer ei- 
nen Gegensatz zwischen fast abstrakter Schönheit, und den widen 
liclisteii Erscheinungen der VVirltlichlteit. Seine Mailozinen und 
heil. Familien sind von hoher Anxnuth, seine liriegsknechte und 
Juden dagegen abschreckende Missbildungen. Fand er vielleicht 
nur das Heilige allein der Schönheit würdig, und das Sundige und 
Veriirorfcne als von der Natur durch Hiisslichkeit gezeichnet dar. 
stellen zu müssen? Wir möchten es fast glauben, und nicht, wie 
Schurn, den Grund allein in dem satyrischen Humor seiner Zeig 
suchen, obgleich auch die schwäbische Schule derartige Gegensätze 
liebt. Andere meinten, dass Wohlgemuth die hässlichen Gestalten 
den Gesellen überlassen habe, ohne zu bedenken, dass die liüllst. 
lerische Bestimmung vom Meister ausgehe. Ein grober, roher Ton 
scheint wohl in Wohlgemnth": Schule geherrscht zu haben, denn 
der junge Dürer beklagt sich bitter über die losen Gesellen des 
Meisters, welcher vielleicht selbst nicht den feinsten Humor hattm 
Früher hatte man das Verdienst dieses Meisters viel zu niedrig 
gestellt, und es ist ihm fast nur zu Dank ewusst. dass er den 
Albrecht Dürer zum Künstler herangebildet äabe. Selbst Neudür- 
fer und Sandrart gehen leicht über ihn hin, indem sie nur die 
Bilder in der Augustiner Iiirche zu Nürnberg erwähnen, welehß 
jetzt in der St. Morizkapelle bewundert werden. Wohlgemuilps 
Werke wurden" aber in der neueren Zeit näher bekannt, und e, 
zeigte sich, dass nicht so viele Bilder zu Grunde gegangen simL 
wie DßpliQlfllayel" (Nurnberger Iiunstler S. 181) behauptet. Die 
frühere Missachtung erklärt sich einerseits aus dein Umgtaude 
dass ihm nach und nach eine Unzahl von Bildern zugeschrie: 
ben wurde. welche nur von Schülern oder Zeitgenossen des Mei_ 
sters herrühren, die seine Art zu malen mehr oder weniger ver. 
ständig nacbahmten- Mehrere solcher Gemälde tragen zur 3b 
zeichnung den Buchstaben W. in älterer und neuerer Form, und
        

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