Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Witsen - Zyx
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1825336
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1828370
S4 
Zimmermann , 
Albert. 
sich mit Zeichnen und Malen, weil er in dieser Kunst keinen ei. 
gentlichen Unterricht nehmen durfte, da der Vater als Musiker 
nur für die Musik Sinn hatte. Zimmermann war daher in der 
Zeichen- und Malkunst sein eigener Lehrer, und hatte nur die 
Natur zur Führerin. Er verliess aber im Vertrauen auf sein im- 
gewöhnliches Talent den ihm aufgenöthigten Beruf, und kehrte in 
die Heimatli zurück, wo er sich zwei Jahre unablässig in der Land- 
schaftsinalerci übte, ohne dass ihn die verschiedenen Misstiliie im 
väterlichen Hause abschrecken konnten. Im Jahre 1850 begab sich 
der Künstler wieder nach Dresden, uin ganz seiner Neigung zu 
leben, und er hatte bei seiner 1852 erfolgten Ankunft in ltliin- 
chen bereits solche Fertigkeit erlangt, dass er mit den gediegen- 
sten liünstlern seines Faches in Wetteifer treten konnte. Anfangs 
Äiualte er kleine Landschaften, wozu ihm die bayerischen Hoch- 
lande und Südtyrol interessanten Stoff boten. Im Hunstblatt 18.33 
lieisst es, dass diese geistreichen, in der Behandlung den Nieder- 
ländern verwandten Landschaften ein ungewöhnliches Talent ver- 
rathen, und zu ausserordentlichen Erwartungen berechtigen. Diese 
Hoffnung ist vollkommen in Erfüllung gegangen; denn Zimmer. 
mann gehört seit Jahren zu den eminenten Künstlern seines Fa- 
ehes. Er besitzt ein seltenes technisches Talent, Leichtigkeit (ler- 
Produktion und ausserordentliclie Iiennlniss der dem Landschaftcg- 
zu Gebote stehenden Mittel. Er umfasst die Natur in allen Er- 
scheinungen. Lufttüne, Wolltcnbildungen, Farbenspiel auf Flä- 
chen, Hügel und Wasserpartien, Bauniformationen, kurz Alle; 
was die schöne und grussartige Natur hervorzaubert, kann kaum 
richtiger beobachtet werden, als der Betrachter in Zimmermannk; 
Bildern es findet. Er ist Maler und Dichter, dichtet in LFai-beii 
und Linien, und seine Strophen athmen eine Fülle von liraft und 
Natnrwahrlieit. Seine Bilder sind aber nichts weniger als CUPiQn 
von Strecken mit Biiumen, Felsen, Bergen und Vegetation ver- 
schiedener Art; Zimmermann kann producircn was er will, immer 
in einer ergreifenden Weise mit wahrhaft poetischem Sinne. E;- 
belauscht die Natur in ihren mannichthltigsten Erscheinungen, und 
Wider Pinselzug ist ein Griff in die wundervolle Aeolsbarfe derscl- 
lJOII. Nachdem er bereits eine grosse Anzahl von lieblichen Bil- 
(lern geschaffen hatte, fiel es ihm beim Streben nach Styl und Be- 
deutung in der Landschaft einmal ein , selbst eine Probe natür. 
licher Schöpfung zu machen. Es ist diess" eine ziemlich grüssg 
Landschaft mit Staffage nach einer alten bohmischen Sage. Die 
Zauberin Libussa hauset in einer steinigen Gegend, welche wirk- 
lieh etwas Unheimliches hat, so dass sich der Beschaucr nicht ent- 
schliesseu kann, in dieser Atmosphäre nur Minuten zu verweilen. 
Man bewunderte 1841 diese Hexenlandscliaft, wünschte aber sehn- 
lichst, der Künstler möchte wieder zu jener wahren, lebendigen 
Naturansehauung zurückkehren, in welcher er so oft das Auge 
bezaubert hatte, Es blieb auch bei jener sltylistischen Probe , und 
d" ßßiChauer weilte wieder so gerne in Zimmermannß Landschaf- 
ten wie früher, sei es dass er einen herbstlichen Abend, den 
glühenden Mittag, ein nahende: Gewitter, den Einbruch der Nacht, 
oder idyllenartige Bilder schuf, wie sie Theokrit, 131911 und Mm 
Schus dicbteten. Gemälde dieser Art sind mit niythologischer Staf. 
fagc belebt, so wie auch viele andere Landschaften mit Figuren 
versehen sind. Zwei seiner grüssten landschaftlichen Compusitiuniei. 
führen uns in eine großartige Gebirgsgcgend, wo Ccntaurcn und 
Centaurinlien hausen. Auf dem einen Gemälde kämpfen Centaii- 
l'on mit Cfigern, in dem anderen besiegen die fabelhaften liOll9Ylll_ 
ncn aus Pferd und Weib eindringende Löwen. Das erstere dieser
        

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