Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Witsen - Zyx
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1825336
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1827533
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Zumpicri , 
Donlenico. 
ist nicht allein keineswegs glücklich, sondern e! fehlt ihnen öfter Su. 
gar richtiges Verstiindniss der Form. Seine Oelgemiilde haben 311530? 
dem 111 seiner Zeit gewöhnlichen Mangel an Durchsichtiglieit noch 
iiiberdiess meistens den Fehler einer sehr rohen Behandlung. Nur 
das Gemiilde der Diana auf der Jagd mit ihren Nymphen im 15a- 
last ßorghesc zeigt diese Mängel weniger als andere Oelbilder des 
Dominichino, und lässt sich" vielleicht überhaupt als sein besstes 
Werk in Rom betrachten. Auch die Frescomalereien dieses Künst- 
lers gehören unter die allervorzüglichsten der spiiteren Iiunst, und 
unter denselben durch ausnehmende Kraft der Farbe vornchntfcli 
die 1'! Evangelisten an den Pfeilern der Iiuppel von S. Andrea 
della Valle. 
Sollten uns indessen die Werke des Domenichino auch nicht 
vollkommen befriedigen, so veranlassen sie uns doch, den Iiiinst- 
1er zu lieben, der in einer gesunkenen Zeit mit so recllichetn Eifer 
nach dem Höchsten strebte. Ernst und richtigen Sinn besass er 
gewiss mehr, als irgend einer seiner Zeitgenossen. Und hätte ihm 
die Natur mehr Eiltbiltlultgsltralt und ein leichteres Talent verlie- 
hcn, s0_ wäre von keinem anderen Meister eine wahre YViederbe- 
lebung der liunst zu holten gewesen": 
Das obige Llrtheil ist vornehmlich bei Betrachtung der grossen 
historischen Werke des Künstlers geschöpft, es finden sich aber 
auch viele kleinere Staffeleigemiilde in Oel, besonders in England 
und Paris, welche die Strenge der Critik mildern dürften, indem 
darunter liebliche Erscheinungen sind. Wir verweisen daher auf 
die Abschnitte über die WVerkc in England und Paris, welche von 
Waagen beurtheilt werden. In der Beschreibung? Roms ist über 
die Landschaften des Künstlers nichts gesagt, so che sind aber in 
der Nationalgallerie zu London, und in anderen englischen Samm- 
lungen , und was von diesen gilt, kann wahrscheinlich auch von 
den Gemälden dieser Art in Rom und anderwärts gesagt werden. 
Es ist aber zu bemerken, dass die Landschaften von A. Carracci 
und Domenichino zu den Anfängen dieser Gattung gehören, und 
(lass Ivan sie nicht nach jenen von C1. Lorrain und Poussin be- 
nrtheilen darf. Gewiss ist aber, dass diese Künstler durch Domi- 
nichino schon grossartige, höchst poetische Vorbilder gefunden 
haben. In dem Bande über die Kunstwerke in Paris, 111. 492, lJe- 
nrtheilt Waagen den ltiinstler wie folgt: vvEin mehr santtes und 
liebenswiirdiges, als energisches und großartiges Naturell. Nicht 
reich, aber öfter poetisch in der Erfindung, von reinem Naturge- 
fiihl, sehr vielem Sinn für Schönheit und Wahrheit der Farbe  
daher der besste Colorist der Schule  endlich von gewissenhafter 
Ausführung. Dagegen styllos in der Draperie, einförmig in den 
Charakteren. In dem Talent für Landschaft ist erdem An. Cnrracci 
nahe verwandtne 
Kugler, bei Beurtheilung der Werke in der Gallerie des lt. 
Museums in Berlin, sagt, Dominichinok Talent vcrrathe eine Ver- 
wandtschaft mit den Zeitgenossen RafaePS, d"! allgemeine Richtung 
der Zeit habe aber, wie es scheine, seine ursprungliche Sinnes- 
nnd Audnssungsweise verdunkelt, und im Ganzen nur selten, fast 
nur in gewissen Nebenpersonen seiner historischen Frescogemiilde, 
trete das Gefühl einer reineren, edleren Natvetiit. in ursprünglicher 
ltlarheit hervor. Die Gemälde im Berliner Museum betrachtet 
ltugler vornehmlich nur als Beispiele einen gesunden, tüchtigen 
Machwerltes. 
Aus dem, was oben über die Leistungen dieses Künstlers hei- 
gebrneht ist, kann man ersehen, dass die Urtheilo über Domini-
        

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