Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Witsen - Zyx
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1825336
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1827522
Zampieri , 
Domenico. 
199 
des Künstlers ihr Urtheil begründeten. Da hcisst es: uDomini- 
chinv gehört mit G. Beni unter die berühmtesten Schüler der Car- 
racci. Beide besassen ohne Zweifel mehr Gefühl als Hannibal Gar- 
raCCl. und suchten daher auch mehr als dieser zum Gernüth des Be- 
trachters zu sprechen. Domiuicliino strebte durch Anregung von Ra- 
laePä Werken vornehmlich nach dem Ausdruck dramatischer Hand- 
ltmgen und Anregungen des Gemüths. Nur möchte er üfterhiei-in 
mehr durch sein redliches Bestreben als durch das, was er wirklich 
leistete, Lob verdienen. Bei Ernst und einer gewissen liefe des G8- 
niiiths war er nicht reichlich mit Phantasie begabt. Er wiederholte 
sich daher häufig in seinen Motiven, und es ward ihm nicht ohne 
Grund schontbei seinen Lebenszeiten vorgeworfen, dass er seine 
lfiguren zuweilen von Anderen entlehnt habe. Auch im Techni- 
schen waren ihm seine Lehrer, so wie mehrere andere seiner Zeit- 
genossen unstreitig überlegen. Die Gegenstände seiner draniati- 
sehen Ccinpositionen hat er zum Theil mehr prosaisch als poetisch 
aufgefasst, und dem zufolge Episoden und Motive angebracht, die 
sich wohl bei dem Ereignen der Begebenheit als möglich denken 
lassen, aber ihre Idee vielmehr zerstören, als zur Darstellung der- 
selben beitragen. Sein Gemälde der heil. Cäcilia, die ihre Güter 
unter die Armen vertheilt, in der Kirche S. Luigi dei Francesi, 
kann unter andern zum Beispiel dienen. Die Bedeutung des Ge- 
genstandes, wenn wir ihn in seiner Idee betrachten, zu deren Aus- 
ilruck alle von dem Iiiiustler angebrachten Motive und Episoden 
mitwirken sollen, ist die in der Heiligen durch göttliche Liebe 
erregte Entsagung der irdischen Güter zu Gunsten der Hilfsbedürf- 
tigen. Aber in der Darstellung des Dominichino ist die Heilige 
eine ziemlich unbedeutende Figur. in der wir nichts sehen als 
eine Frau, welche Sachen vertheilt. Hingegen sind die Gegen- 
stände, die vornehmlich unsere Aufmerksam eit auf sich ziehen, 
das Volk, welches theils mit gemeiner Begier sich vordriingt, uni 
Geschenke zu erhaschen, theils die empfangenen mit Wohlgefallen 
betrachtet, ein Jude, der sich bestrebt, sie ihm mit Vortheil ab- 
zuhandeln, Knaben, die sich wegen eines geschenkten Kleides 
balgen , und die Mutter derselben, die ihnen desswegen mit Ohr- 
fuigen droht. Dass durch eine solche VVahl gemeiner Motive der 
Gegenstand zu einer gewöhnlichen Strassenbegebenheit herabge- 
wiirdiget worden ist, scheint keines Beweises zu bedürfen. 
in anderen Vorwürfen, wie in der Goinmunion des heil, Hie- 
ronymus im Vatikan, und in der Heilung des Besessenexi durch 
den heil. Nilus in der Kirche zu Grotta ferrata, hat sich aber der 
Künstler _zu einer bedeutenden Darstellung erhoben. Im Ausdruck 
der Gemiithsbewegungen dürfte man ihn wohl mit Recht als den 
vorziiglichsten Meister unter den späteren italienischen Malern be- 
trachtet haben. Indessen zeigte er auch in diesemTheile der Kunst 
keine besondere Mannigfaltigkeit, und das Naive und Anspruch- 
luse in seinen Frauen und Knaben fällt nicht selten in das Unbe- 
dlutende. In der gründlichen Zeichnung des Nackten aber möchte 
er dem Hannibal Carracci an die Seite gesetzt, und als der vor- 
ziiglichste unter den Schülern desselben angesehen werden kön- 
nßfl- Zuweilen scheint er sich sogar von dem abstrakten Typus 
seiner Schule zu entfernen, und einer individuelleren Bildung der 
Iormen anzunäbern. Auch erinnern die Stellungen seiner Figuren 
weit seltener an das akademische Modell, und zeigen mehr durch 
Sich 59155! gegebene Bewegung, als die des Carracci. In deu GEH 
Wiintlem, die sich weniger als die Zeichnung des Nackten durch 
Studium erlernen lassen, zeigt Dominichiiio besonders auffallenden 
hlangel an angeboruein Geschmack und au Phantasie. llir Iialtenvvurti
        

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