Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Witsen - Zyx
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1825336
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1827302
Zantzinger, 
Zasinger, Zingcl, Martin; 
177 
sind 15 Blätter, wovon u das bekannte Zeichen M. Z. tragen, 
wie es auf anderen Stichen vorkommt. Die Platten fand wahr- 
scheinlich der Kupferstecher P. König vor, welcher das neue Ti- 
telblatt gestochen hat. Auf diese sehr seltenen Stiche macht 
Bßrlsch im Anhange zu den Werken des Martin Zasinger auf- 
merksam, schreibt sie aber einem anderen M. Z. zu. Allein die 
Platten sind sicher zu Anfange des 16. Jahrhunderts gestochen, sie 
blieben aber in irgend einem Winkel liegen. Dieselben Darstel- 
lungen sind auch in Holz geschnitten, aber ohne Zeichen M. Z. 
Sie kommen unsers Wissens zuerst in Adam Walasseüs Kunst vvol 
zu sterben, Dillingen 156g, kl. 8., vor, und wurden zu mehreren 
Auflagen benutzt, noch in der vierten von 1612. Diese Holzschnitte 
sind nach den Stichencopirt, wir wollen aber nicht in Abrede 
stellen, dass dieselben vielleicht in einem früheren Werke vor- 
kommen, als jenes von Walasser ist. Zum Grunde liegt eine xy- 
lographische Ars moriendi, welche wahrscheinlich Meister Mathes 
Zwikopf gefertigte! hat, da wir ihn in einem archivalischen Doku- 
mente nAutor mortisu genannt fanden, worunter wohl eine Ars 
moriendi verstanden werden könnte. Seine Iliätigkeit fällt zwischen 
1470 - 1510. Dieser bisher nicht genannte Maler kommt in den 
ältesten Zunftpapieren vor, und könnte sogar der Stecher einiger 
mit M. Z. bezeichneten Blätter seyn. da es mit dem Namen Mar- 
tin oder Mathes Zasinger noch lange nicht entschieden ist. Dieser 
M. Zwikopf, oder irgend ein M. Z. könnte dann auch der Ver- 
fertiger eines Gemäldes in der Gallerie zu Schleissheiin seyn, wel- 
ches im Cataloge der Gallerie von Dillis (München 135i, Nr. 292) 
muthmassich dem Martin Zngel zugeschrieben wird. Es stellt den 
heil. Georg zu Pferd dar, wie er den Drachen tödtet, ganze le- 
bensgrosse Figur, angeblich aus der alten Capelle des heil. Georg 
in der ehemaligen neuen Veste zu München, welche beim Bau der 
Residenz Maximiliads I. (1612) weichen musste. Fiugler (Museum 
1356, S. 75) schreibt dem Martin Zagel ein Crucitix mit Heiligen 
in der k. k. Gallerie zu Wien zu, der Catalog des Belvcdere kennt 
aber keinen Zagel. Das fragliche Gemälde ist nach Kuglcr in 
schlichter, ehrbarer Weise gehalten t). 
Die genannte xylogi-apische Ar: moriendi ist äuiserst selten. 
Die k. Hofbibliothek zu München bewahrt ein Exemplar. Auch 
B. Weigel in Leipzig besitzt ein Exemplar mit tl Darstellungen, 
im Ganzen 24 Blätter, welche mit den weissen Rückseiten zusam- 
mengeklebt sind. Zu Anfang und zu Ende ist ein einzelnes, auf 
einer Seite bedrucktes 'I'cxtblutt. Das Papierzeichen ist der Anker 
mit dem Ringe oben und unten. H. 7 Z. 11 L._ ß Z. .3 L. , Br. 
5 Z. 8 L.  6 Z. Im dritten Hefte der Aehrenlese auf dem Felde 
der Kunst (von Weigel) ist das erste Blatt facsirnilirt. Damit stimmt 
der alte Stich von M. Z3 und der Holzschnitt bei Walasser, nur 
fehlen diexBandi-ollen mit der Schrift, welche 'auf dem Xylogm. 
 
 Eine Münchner Schule nimmt man bisher nicht an, wir wer- 
den aber bei anderer Gelegenheit zeigen, dass schon im 15. 
u. 16. Jahrhunderte in München ein bedeutendes liiinststre- 
ben war. Die so enannte Schule von Landshut ist dagegen 
sehr problematiscäi, so wie auch Nlair von Landshut nicht 
in der niederbayerischen Stadt, sondern in Mähren thätig war. 
Zu Anfang des 14. Jahrhunderts kamen Künstler von Münß 
ehen nach Landshut, jene Meister aber, welche man n?- 
mentlich zur Landshuter Schule zählt, lebten fast alle in 
München. Hier fand später die Richtung der Augsburgischen 
Schule Eingang. 
Naglefs Künstler-Lear. Bd. XXII. 19
        

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