Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Witsen - Zyx
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1825336
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1826921
Wyaß , 
Jamel. 
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werke dieser Art wurden von ihm restaurirt. da er als der einzige 
liiinstler Englands betrachtet wurde, welcher die mittelalterliche 
Bauweise in allen Gesetzen erforscht hatte. Im Jahre 1303 erhielt 
er ein Patent für die Erfindung, Gebäude aus Gusseisen zu errich- 
ten. Von dieser Erlindung machte er beim Baue des neuen Pala- 
stes in Kew Gebrauch, welcher mit grossen Kosten hergestellt 
wurde. Er hatte acht Thürme, und bis auf die Parhetbüden war 
alles von Eisen construirt. Nach dem Rücktritt des B. West; wurde 
Wyatt Präsident der Akademie der Malerei, als welcher er die 
Entscheidung iibor den Werth der Gemälde hatte. Man wusste zwar, 
dass er von der Malerei nichts verstehe, allein Fiorillu V. 862- 
bemerht, Wyatt sei ein Mann von guten politischen Grundsätzen 
und ein Liebling der königlichen Familie. Unter solchen Verhält- 
nissen brauchte er freilich kein [iunstltenner zu seyn. Der gesin- 
nungstiichtige Sir Ja1nes.,Wyatt starb zu London 1815. 
Dieser Künstler vereinigte zu seiner Zeit den ganzen archi- 
tektonischen Ruhm Englands, und daher kann Dallaway des Prei- 
sos nicht satt werden. Nach seiner Ansieht übertrifft Wyatt an 
Reinheit und Schönheit des Styls alle anderen englischen Baumei- 
ster, zu dessen Gunsten sich selbst Ch. Wren beugen muss. 
WValpole glaubt, dass es gar nicht mö lieh sei, in der architekto- 
nischen Iiunst es höher zu treiben, als Wyatt gethan hat. Die 
neueren Critiker setzen ihn dagegen tief herab, und Welby l'u- 
gen verwiinscht in seinen Contracts sogar Wyatt's Andenken. In 
deutschen Werken, namentlich im Artikel über englische Kunst 
im Conversations-Lexicon der Gegenwart, sind die Nachrichten 
über diesen J. Wyatt unrichtig. Er wird da als das Haupt d_er 
classischen Schule im Gegensatz zu der gothischen, und John Brit- 
tun als sein Nebenbuhler in letzterer Hinsicht aufgeführt, da dile- 
ser sich gegen Wyatt für die Einführung der Architektur des Mit- 
telalters erklärte'). Solche Stimmen erhoben sich zu Wyattfs Zeit 
nur leise, denn er hat sich in der gothischen Bauweise selbst hier- 
vor gethan, und seine berühmtesten Werke sind in diesem Style 
ausgeführt. Später aber erfuhren diejenigen, welche bei Gelegevn- 
heit den von Inigo Jones und Chrtstopher Wren begünstigten 
classischen römischen Styl festzuhalten suchten, vielfache Anfech- 
tungen, da die Gegenpartei die ihnen verhasste Heidentempel-Ar- 
chitelrtur zum Opfer gebracht wissen will. Die iibermässigen V or- 
wiirfe treifen mehr die jüngeren Wyatts, da diese am klassischen 
Style strenger festhielten, als Sir James. In den Werken des lutz- 
teren sucht man vergebens nach einer Vorliebe für die classis che 
Architektur in ihrer strengen Einfachheit auf der einen, oder ihrer 
kunstreichen Pracht auf der anderen Seite. Die alte Architektur rund 
deren Ordnungen betreffend waren Wyatfs Geschmack und Tallent 
höchst negativer Art; alle seine antik seyn sollcnden Werke er- 
mangeln durchaus der Kühnheit, Bedeutsamkeit und Genialiität, 
und empfehlen sich höchstens durch eine gewisse Sorge fiir Sch iclt- 
 
 Auch über diesen Architekten und Schriftsteller herrschten 
früher in Deutschland irrige Ansichten, welche im Ku nst- 
blatt 1341 Nr. 55 berichtiget werden. Er war kein Hnupt 
einer Schule, sondern trug in seinen vielen Schriften nur 
Materialien zum Studium des gothischen Styls zusamu len- 
_Es ist selbst Vieles vom Texte nicht sein Eigenthurn. E? 
n! eigentlich nur der Herausgeber der unter seinem Nal Hell 
bekannten Werke, der Antipode derclnssisclnen liunßl 111 
Gunsten der mittelalterlichem
        

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