Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Witsen - Zyx
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1825336
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1826645
XVren , 
Chxjistopher. 
111 
erfand, welcher durch die Abbildung in seinen gesammelten Wer- 
ken bekannt ist. Im Jahre 1655 wählte ihn das All-soulls-Cnllegc 
in Oxford zum Mitgliede, uncLals junger Mann von 25 Jahren 
wurde er Professor der Astronomie in Greshanf, wo er bis 1560 
lehrte. Von 1661  65 bekleidete er dieselbe Stelle am Oxford- 
College, und wurde sogar Doctor Juris, endlich aber entschied er 
tiir die Architektur, und unternahm eine Reise nach Frankreich, 
um architektonische Studien zu machen. Der damalige französi. 
sehe Styl hatte aber keinen entschiedenen Einfluss auf seine Rich- 
tung, indem er als Mann von originellem Geiste nur dasjenige 
aufnahm, was ihm classisch schien. Die französische Uebei-ladung 
war ihm verhasst, und daher suchte er seine Vorbilder in Italien, 
oder vielmehr in den Werken des V-itruvius, und der sogenannten 
klassischen Schule des töulahrhuxiderts. Allein der Sinn für wahre 
architektonische Schönheit war zu seiner Zeit noch nicht aufge- 
schlossen, und daher tragen auch seine im antikisirenilen Style er- 
richteten Gebäude das Gepräge des Verfalles der römischen Architek- 
tur. Es wurden- ihm aber auch die Gesetze des sogenannten gothi- 
sehen Styls nicht ganz klar, bei dessen Anwendung er sich diesel- 
ben Vvillkiihrlichkeiten erlaubte, wie bei seinen Bauten in der rii- 
mischen Bauweise, welche indessen die allergrößte Anzahl seiner 
VVcrke bilden. Er war der erste, welcher dieyalte germanische Ar- 
chitektur die saracenische nannte, da er ihren Ursprung im Mor- 
genlande nach dem Verfall des griechischen Iiaiserthums suchte. 
Mehrere haben ihm hierin nachgebetet, ohne zu bedenken, dass 
dieser Zeitraum viel zu spät ist. {Auch war WVren einer derjenigen 
Künstler, welche die gothische Bauweise als nuschliessliches Eigen- 
thum des Freimaurers Ordens besrachteten, welchem er eine Reihe 
von Jahren angehörte, und zuletzt als Grossmcister verstand. Die 
Mitwelt erkannte ihm den Ruhm des ersten Architekten Englands 
zu, in den neueren englischen Parteikämpfen kam er aber schlech- 
ter weg. Nur die Vertreter des klassischen Styls, wie Cockerell 
u. A. lassen ihm in Hinsicht auf die St. Paulskirche noch den al- 
ten Ruhm, da diese. abgesehen von dem Mangel an höherer Wiirde 
des kirchlichen Charakters, durch die grandiosen inneren Verhält- 
nisse, und die edel gehaltene äussere Dekoration der Iitippel eines 
der schönsten Werke damaliger Zeit, und als würdiges Gegenstück 
zur St. Peterskirche in Rom gedacht ist. Die englischen Schutz- 
herren des gothischen Styls, oder die Romantiker, suchen nur mehr 
die Fehler des [iiinstleß auf, wie W. Pugin, welcher in The trec prin. 
eiples of pointedaor Christian Architecture, London 1811„ den Bann- 
strahl auf die Classikcr, und somit beziehungsweise auch auf Ch. 
XPVrei-i schleudert. Pugin ist ein bigotter Verehrer des gothisohen 
Styls, und nimmt das grösste Aergcrniss an den Werken der gi-ie. 
chischen und römischen Architektur. Bei seinen Verhöhnung der 
heidnischen Formen ist ihm YVretfs St. Faulskirche ein Gräiuel, 
und er würde an den Ruinen derselben die Augen weiden. Die 
von Wren erbauten berühmten Thurme der Bowkirche sind ihm 
in einem barbarischen Geschmacke ausgeführt, und er wartet schn- 
lieh auf den Blitzstrahl, welcher sie zu Boden schleudert. Zur 
Vernichtung der grossen Säule würde er sich wohl einen zweiten 
Brand von 1666 gefallen lassen. Man muss daher bei einer Beur- 
theilung der Werke Wreifs auf die Partei Rücksicht nehmen, von 
welcher sie ausgeht. Bezüglich des architektonischen Styls herr- 
schen in England einseitige, pedantisehe und unduldsame Ansich- 
ten. Gcthen und Classiker liegen im Streits, und jede Partei sucht 
Enthusiasmus zu erregen. Sicher ist, dass der gnthische Kirchen- 
Slyl, nach Pugin der katholische, für ein protestantisches Land
        

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