Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vouillemont - Witsen [vielm. Witig]
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1829259
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1835026
Peter 
nhu- nicht für künftige Arbeiten in der Residenz zu Theil, dei- 
Yiiinstler hatte schon früher dem Hcrzoge wichtige Dienste gelei- 
stet. Er malte die Decke des voh Maximilian l. 1000 erbauten An- 
tiquuriums, welches zur Aufnahme alter Kunstwerke bestimmg 
war. Er stellte die Tugenden dar, wie sie den Nlenschon durch 
das Leben zur Glücltseligheit leiten. Dieser grossartige Saal hat 
noch gegenwärtig seine ursprüngliche Bestimmung. und war man. 
gebend beim Bau der neuen Residenz. Der Hof mit-dem grosseii 
Brunnen erhielt durch ihn eine unregelmäßige Form, da beim 
Baue des Antiquariuins dcr Plan zu der Maximilianischen Piesi- 
den: noch nicht gefasst war. In den Saal gelangt man durch eine 
Halle mit Grottenwerk, an deren Wänden und Decke Male. 
rci-en von Candito sind, welche aber sehr beschädigct wurden, 
Mit dem Antiquarium beginnt ei entlich die Geschichte des Besi- 
denzbaues des Churfürsten Maximilian I., wir finden aber für clieie 
hier keinen Raum, sondern werden im Obcrbayerischep Archive 
für Vaterländische Geschichte ausführlich darauf zurückkommen, 
Der Zeit nach folgte auf das von Candito verzierte Antiqua- 
rinin die Hofkapelle, für welche 1600 Hans Werle, nicht unser 
Künstler, die Altarhilder malte. Der an den Königsbau sich an- 
schliessende alte Residenzfliigel enthält auch die sogenannte Schöne 
und reiche Cnpelle, bei deren Aussclimücliung Candito 1607 thä- 
tig war. Ueber dem Portale ist vun ihm ein Bild der Verkündi- 
gung Mariii. Seine grüsstcn Arbeiten unternahm er aber für die 
1610 vollendete Residenz des Cliurfiirsten, wo Deckengemälde von 
ihm ausgeführt, Stuccatureii, Caniiiie, und Bronzen nach seinen 
Zeichnungen hergestellt wurden. Sehr reich ist das Deckengemälde 
im Diirchgange von den kaiserlichen Zimmern zu dem sogenanii. 
ten vier Schininielsaale. Auch noch andere Werke und Oelbildel- 
waren von Candito's Hand in der Residenz zu sehen, mehrere aber 
mussten von der alten Stelle weichen. Zwei grosie symbolische 
Darstellungen hängen jetzt in der Halle des Schlosses zu Schleiss- 
heim , die Monarchie, und die Wissenschaft vorstellend. Das er- 
ste- Bild hat die Unterschrift: Quid est Monarchia, nisi tria suspi- 
ria? obtinendi, retinendi, ommitencli! Das zweite Gemälde Crlslärg 
die Schrift: Natura noverca, Sapientia mater est, illa rios aniinnn- 
tes, ista honiines facit! Eine bewunderte Zierde waren auch die 
Tapeten, welche nach seinen Cartons zu München gesteht wur- 
den. Maximilian I. gründete eine Hautelisse-Maniifalstur, und lies; 
Arbeiter aus Arras kommen. Mit den Prachtteppichen, welche da 
gewebt wurden, behiug man bei Feierlichkeiten Säile. Hallen und 
Gange, und solche von Seide blieben fest an den Wänden du- 
fürstlichen Gemächer. Mehrere dieser Tepuiche gingen 1052 durch 
die Schweden zu Grunde, indem die Residenz grossentlieils ver- 
wiistet und epliindert wurde. Die grossen, transportablen T3- 
peten nach äanditrfs Gartens sind zwar noch erhalten, aber stark 
verblichen. Sie stellen die 12 Monate, und die Thaten Otto's von 
Wittelsbzich dar, und sind durch die Stiche von G. ab Allllillllg 
bekannt. Die Geschichte Ottzfs malte Candito an der Wand der! 
1500 F. langen Gallerie des damals neu angelegten Hofgai-tens, 
Man sah da 54 Bilder aus der Ottoriischen Geschichte, und das 
55m: stellte den Zug des Kaisers Ludwig des Bayers nach Italien 
dar (1527). Die 55 Originalzeichnungen bewahrt das k. liupfep- 
stich-Cebinet, die Fresken sind aber längst verschwunden, Die 
25 Zeichnungen, nach welchen Ambling die 'l'apeten mit der Qg- 
tuiiisclien Geschichte csloclzen hatte, waren iin h. Schlosser zu 
Nyniiihcnburg unter Gliiie und Rahmen. Iiii li. Iiiipferstich-Ciibiiiet 
sind auch tlieSliizzeu zu den 12 Monaten, und viele andere Zcich.
        

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