Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vouillemont - Witsen [vielm. Witig]
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1829259
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1834872
Yvintcrhalter , 
Franz 
Zzvicr. 
549 
iiud Fnrhenspielerei zu verfallen, und zu jenen nianierirten Iiiinst- 
lern zu gehören, gegen deren perfides, verführerisches Talent die 
Critik selbst möglichst auf der Hut seyn iniissc. Nur den "Triumph 
der Praxis, der materiellen Procedur gesteht er ihm zu, glaubt aber, 
dass durch dieses Verfahren der Weg zu Vaiiloo, und von diesem zu 
Boucher führe. Allein trotz dieser scharfen, sicher zu strengen 
Critik, wurde Winterbalter von den hohen und höchsten Personen 
in Anspruch genommen, was ihnen der Tiihinger Critikcr sehr 
übel nimmt, indem er z. B. an dem Bildnisse des Fürsten von 
VVagrain mit seiner kleinen Tochter fast nur die Schniirstiefel, die 
glänzende Wichs und die Casimirhosen lobeiisvverth iindet. Wir 
gehen ungern auf diese Polemik ein, da sie nicht ohne Animositiit 
geführt ist, das liunstblatt von Scliorn fand aber in weitem Kreise 
Eingang, und somit ist das Urtheil über diesen liiinstler, besone 
ders bei rivalisirenden Ziinftgenossen, leicht in obigem Sinne ge- 
sprochen, da der Tadel einige Jahre sich wiederholte. So lesen 
wir auch im Kunstblatt 18Ä2 S. 214. dass Winterlialter seinen 
Bildnissen nur einen gewissen Anschein von Vornelinilieit, und 
einen trügerischen Glanz in Anordnung und Ausführung gebe, es 
ihnen aber durchaus an Haltung und Noblesse, an feiner Eleganz 
und Charakteristik, an zarter Durchbildung und Diirchilringiing 
von Geist und Erscheinung fehle. Der Hiinig Louis Philipp müsste 
daher einen grossen Fehltritt begangen haben, dass er dem liiiiist- 
1er zu seinem Bildnisse gesessen, und dennoch ist es eines der he- 
sten VVerke dieser Art, so wie das ähnlichste von allen. Die Ge- 
stalt scheint zu leben, und die Beivverke können nichtschoncr ge- 
malt seyn. Das grosse Portrait dieses Königs gehört zu den Pracht- 
stücken der Malerei, so wie jenes der Königin, welche in starker 
Isehensgrösse in einem prächtigen , mit Spitzen bedeckten Kleid: 
erscheint. Winterhalter malte auch alle Prinzen und Prinzessin- 
nen des k. Hauses in Lebensgrösse mit prachtvollen Beiwcrlten. 
Alle diese Bilder, und viele andere von hohen Herrschaften fan- 
den den höchsten Beifall, und anderseits auch wieder scharfen 
Tadel. VVinterhalter wäre zuletzt beiniissiget gewesen, eine Mo- 
distiii anzustellen, um die Garderobe zu ordnen, ohne zu beden- 
ken, dass vornehme Damen auch Lieblingsklcider zur Schau tra- 
gen wollen, wenn sie auch im Gemälde nicht vortheilliaft abste- 
chen. So wird der Künstler getadelt, weil er die Gräfin von 
Duchätel mit ihrem Söhnchen im rothsoidnenlileide gemalt hatte. 
Der Criticus inei-nt, die nächstbesste Putzmacherin hätte den Iiiinst- 
1er aufmerksam gemacht, dass das rothe lileid dem Teinte die Fri- 
sche benehme, und eine kleine Spitzengarnitur am Halse das Fleisch 
nicht genug hervorlasse. S0 verliert sich die Critik oft in Neben- 
dingen, ohne zu bedenken, dass dem lYIaler ein s-Sic volo sie ju- 
heoa entgegen gerufen werden kann. Die Bildnisse der Gräfin 
und des Grafen Duchätel. ganze Figuren in starker Lebensgriisse, 
gehören übrigens zu den Hauptwerken des Iiiiiistlers. Dies: ist 
auch mit den Bildnissen der Herzogin von Plaisaiicc, dir Herzo- 
gin von Orleans niit ihrem Iiinde, der Prinzessin Clementine, der 
Herzoge von Orleans, Neinuurs und Aumale, des jungen Grafen 
vunParis etc. der Fall. Der letztere erscheint in zierlichem Co- 
stiim mit einer meisterhaft gemalten Feder auf dem Barret in der 
llnnd. Dieses schöne Bild entging aber 1842 keineswegs der Cri- 
11k. Man vermisste die fein gebi tleten, für seine Herkunft cha- 
rakteristischen Ziige. Der kleine Prinz soll auch keine kindhch 
naive Gestalt haben. VVenn aber VVintcrhalter in der Natur Seit"! 
Individuums recht gesehen hat? In diesem Falle hilft dann kelllß 
Drlodistin mehr, auf deren Iiennerblick der Künstler einmal ver-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.