Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vouillemont - Witsen [vielm. Witig]
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1829259
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1832547
316 
West , 
Benjamin. 
West, Beinamin, F), Historienmaler, wurde 1733 zu Springfield in 
Pennsylvanien geboren, undstammte aus einer Quiiclserfamilie, svel- 
ehe mit dem berühmten Penn nach Amerika auswanderte. John 
VVest, der Vater unsers Künstlers, kam später nach, und heirathete 
zu Springiield eine Verwandte, die ihm zehn Iiinder gebar, wovon 
Benjamin das jüngste war. väterlicher Seits stammte er in gerader 
Linie von Lord Delaware ab, welcher sich unter dem schwarzen 
Prinzen ausgezeichnet hatte. Ein schlafendes Kind, welches Ben- 
jamin als l-inabe von sechs Jahren warten musste, war der erste 
Gegenstand. welcher sein Hunsttalcnt erregte. WVest wurde von 
dem im Schlafe lächelnden schönen liinde so ergriFfen, dass er m- 
gleich die Feder zur Hand nahm, um das liind zu. zeichnen, ob- 
gleich er nie ein Gemälde oder einen Iiupferstich gesehen hatte. 
Von dieser Zeit an war das Zeichnen seine Lieblingsbeschäftigung 
in den Freistunden, welche ihm die Schule gestattete. Doch hatte 
er nur Dinte und Feder, bis ihn endlich die Indianer, welchen er 
Zeichnungen mit Blumen und Vögeln schenkte, die ßercitung der 
rothen und gelben Farbe lehrten, wozu seine Mutter die blaue fugte, 
indem sie ihm ein Stückchen Indigo gab. Nun colurirte er auch 
seine Zeichnungen, wobei er sich eines Pinsels von Hatzenhaaren 
bediente. Als er endlich von einem Freunde seines Vaters aus Phi- 
ladelphia ein Kästchen mit Farben und Pinsel, einige Stücke Lein- 
wand und sechs Kupferstiche von Grevling erhielt, vergass er in 
seiner Freude selbst in die Schule zu gehen, indem er im Dach- 
stiibchen zeichnete und malte. Vom Lehrer über sein Ausbleiben 
in Kenntniis gesetzt, fand ihn die Mutter noch immer malend, 
aber statt ihren Unwillen zu erkennen zu geben, umarmte sie bei 
der Betrachtung des Bildes den Sohn. West betheuerte nachher 
oft mit höchstem Vergnügen, dass ihn der liuss der Mutter zum 
Maler gemacht habe. Dieses Bild wurde dem Künstler sieben und 
sechzig Jahre später von seinem Bruder nach England gesandt, und 
West. zeigte es als Präsident der Akademie jedem, der in seinen 
Arbeitssaal kein, mit der Bemerkung, dass er mit all seiner erwor- 
benen Erfahrung und Einsicht nicht im Stande wäre, nur eine 
Farbe besser anzuordnen. Kurze Zeit nach seiner ersten Probe 
 
Die früheren Nachrichten über die Werke dieses berühm- 
ten Meisters findet man im Massachusets Magazine. Bus on 
1795. VII. 515. Einzelne Critihen stehen dann im Gentle- 
miin's Magnzine LXVIII- 129, 550, 1055- Ziemlich ausfuhr- 
lich verbreiten sich auch Forster, S. ÄO 3-, und Giitle III. 
117 E. über ihn, und den grössten Theil der früheren Nach- 
richten fasst Fiurillo, Gesch. der Malerei in England V. 
74g  761 zusammen. Viele neuere Critikcn folgen in eng- 
lischen und deutschen Juurnalen , worunter das liunstblatt 
von Schorn 1825 S. 410 iT. als maassgebend auftritt. Als 
Hauptwerk ist folgende Biographie des Künstlers zu be- 
trachten; The life, studies and works of B. West, by John 
Galt. London 1320, 8. In den drei ersten Decennien un- 
sers Jahrhunderts fand West fast ungetheiltes Lob, und nur 
bescheiden rügte man allenfallsige Mängel. Die neuere Cri- 
tih hat einen strengeren Maassstab angelegt, und nur we- 
nige von den vielen Bildern des Meisters finden Gerechtig- 
keit. Dr. VVaagen und Passavant sind vor allen anderen 
Critikern zu nennen, da sie nach Autopsie urtheilen. Die 
genannte Lebensgeschichte des Meisters ist unter WeuPs 
Einfluss geschrieben.  
w
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.