Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vouillemont - Witsen [vielm. Witig]
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1829259
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1832303
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Werff , 
Adriaen 
VZHI 
der. 
Ritters v. d. Werff. Diess ist eines der schönsten Werke des Mei- 
sters, und steht an der Spitze der vielen für den Churfürsten ge- 
malten, und jetzt in der Pinakothek zu München befindlichen Bil- 
der van der WerfPs. In dieser Gallerie sind auch jene 15 Bilder' 
aus dem Leben der Maria und der Leidensgeschichte des Herrn, 
wovon jedes 2 F. Ö Z. hoch, und 1 F. 9 Z. breit ist. A. v. d. 
Werff begann diesen Cyclus mit der Grablegun , welche dem Chur- 
fürsten so wohl gefiel. dass er eine ganze Folge besitzen wollte. 
Der Künstler führte diese Werke in den Jahren 1705  14 aus, 
und sie füllen ein Cabinet der k. Pinakothek. Es befinden sich 
aber auch einige andere Werke in dieser Gallerie, und darunter 
das kleine Bild der Diana mit ihrenNymphen im Bade, welches 
der Künstler seiner Gattin geschenkt hatte. Der Churfürst wollte es 
ihr abkaufen, allein Mevrouw v. d. Werff konnte sich nicht da- 
von trennen. Endlich aber überbrachte sie das Gemälde dem Chur- 
fürsten als Geschenk, wofür ihr dieser 6000 (l. in Dukaten auf- 
dringen musste. Ueberdiess gab er ihr eine Toilette mit 52 Stü- 
cken Silbergeschirre. An fürstlichen Geschenken fehlte es dem 
Künstler überhaupt nicht. So gab ihm der Herzog von Wolfen- 
büttel 170g für ein kleines Bild der Magdalena sein mit Diaman- 
ten efasstcs Bildniss , und der Frau v. d. Wert? schenkte er eine 
kostiiare Uhr; denn die Gemälde dieses Künstlers wurden von je- 
hcr theuer bezahlt. So gab-der Engländer Gregor Page für zehn 
kleine Bilder 5000 Pf. St. Im Handel kommen, jetzt wenige vor, 
da sie fast alle in ständigen Gallerien sind.    
Die Werke dieses Meisters sind sehr zahlreich, und höchst 
fleissig vollendet, so dass sie das Auge der Menge bestechen. Er 
wendete sich vorzugsweise den heiligen und mythischen Darstel- 
lungen zu, so wie sein Bruder Peter. In ihnen steigert sich die 
Eleganz der Behandlung zum höchsten Gipfel, und diese ist für 
van der Werff eben so charakteristisch, als die Leerheit und Ein- 
fiirniigkeit der Köpfe, die Kälte des Gefühls, und oft auch der 
Farbe. Letztere ist in vielen Gemälden kalt, und ahmt in der Car- 
nation dem Elfenbein nach. Auch zeigt er wenig Geschmack in 
der Zeichnung, und selbst in den bessten Bildern ist diese steif. 
Es fehlt diesem gefeierten Meister an Geist; seine Darstellungen 
gingen aus der nüchternsten, äusserlichsten Combination hervor. 
Diesen Mangel suchte er durch eine unendliche Feinheit und Ele- 
ganz der Ausführung zu verdecken, welche es nirgends zur Wärme 
des Lebens bringt. Er wählte kleine Dimensionen, und ging un- 
gern an grosse Portraite. Die Bildnisse zu Larrejfs Geschichte 
von England sind'auf Papier "gemalt, und wir kommen unter den 
in lziollaxid befindlichen Werken des Künstlers darauf zurück. 
Dann befasste sich van der Werff auch mit der Architektur, 
aber eigentlich nur der Malerei wegen. Er wählte schöne Formen, 
und sah besonders auf Reinheit der Ornamente. Nach seinen Plä- 
nen wurde die Börse in Rotterdam erbaut, man nahm aber nach 
seinem Tode Aenderungen vor, welche zum Naqhtheil (165 Gan- 
zen ausfielen. Auch modellirte er zu seinem Vergnügen in iTon 
und Wachs, besonders mythologische Figuren. Die Figuren eine: 
Schachspiels schnitt er in Holz. die eine Hälfte von Palnn, die 
andere von Ebenholz. Dieses Schachspiel wurde 1337 aus der 53mm- 
hing des Abraham Gevcrs zu Rotterdaxn um 200 fl. verkauft. Ge- 
vers war der Sohn des Schepexi Arnout Gevers, welcher eine Toch- 
ter v. d. was". zur Frau hatte. 
Ritter van der Werff bildete auch einige Schüler, unter wel- 
chen sich sein Bruder Peter, H. van Lilnborch und J. C. Sperling
        

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