Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vouillemont - Witsen [vielm. Witig]
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1829259
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1831100
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NVattcau , 
Antoinc. 
iIIaus, wo nicht Bilder von Watteau waren, und auch ins Ausland 
gingen viele solcher malerischen und geistreichen MUll98Pl1il-ggl_ 
Alles wurde darin bewundert, und Marquis dQh-gens behauptet in 
seinen ßLßilrßä juivesic sogar, man werde bald zwei Gemälde von 
Rafael gegen eines von Watteau vertauschen. Dieser Fall ist in- 
dessen nicht eingetreten, woran aber keineswegs die französischen 
Critiker des 18. Jahrhunderts Schuld sind, welche den gesuiilae- 
neu Geschmack des Zeitalters tadelii, wovon einige nicht allein den 
Nachahmern VVatteaWs, unter welchen zunächst Pater und Lanqre; 
zu nennen sind, sondern dem Meister selbst den Untergang dm- 
hen. Auch diess ist nicht in Erfüllung gegangen, da YViitteaiVs 
Bilder fortwährend "Liebhaber fanden, so dass seine galanten und 
geisn-eiclien Kleinigkeiten mit 4 -9000 Liv- bezahlt wurden. Noch 
gegenwärtig stehen sie, trotz der Sittenrichter des vorigen Jahrhun- 
derts und der neueren Zeit, in hohen Preisen. 
In der Versteigerung der Sammlung des Grafen Morny, wci, 
che 1848 in London stattfand, wurde ein Bild, wLes eliamps e]? 
sds,ß mit drei Figuren (iöf Z. hoch, und l2i Z. breit) _mit 900 
Pli. St. bezahlt. Der Käufer war Marquis von Hertford. Ein zwei, 
tes, grosses Bild des Meisters, ebenfalls Les eliamps elysds 5m 
iitelt, wurde von demselben für 1050 Pf. St. erstanden. Diese; 
Bild war früher in der Sammlung des Cardinals Fesch, und wird 
mit einem zweiten, welches unter dem Titel viLe lienclez-vous 
de chasseu bekannt ist, zu den Hauptwerken des Meisters ge_ 
zählt. Das Gemälde des Marquis v. Hertford zeigt eine Gcäellschaft 
von Herren und Damen in einer reizenden Landschaft mit grob 
sen Biiumen. Einige sind in Conversation begriffen, andere ab 
gehen sich, und schon hat ein Paar bei der ländlichen Musik 
en Tanz begonnen. Die mehr als ein halbes Jahrhundert v"- 
ketzerten Bilder dieses Meisters sind nicht mehr häufig, da we_ 
gen der Missachtung früherer Zeit viele schadhaft wurden, und 
ganz zu Grunde gingen. In England fanden sie ffGUIlClllCllGre Auf. 
nahme als in Frankreich, und daher sind sie jetzt in letzterem 
Lande am seltensten, weil gerade von da aus das vßfflülllmllngs- 
Urtheil darüber erging. Das Museum des Louvre bewahrt nur 
ein Gemälde von ihm, die EinschiFfung nach der Insel der Cylllere. 
das berühmte Bild, welches dem Künstler 1717 die Tiwre der Aka) 
demie öffnete. Es gehört zu den grüssten Werken des Meisters, 
welche aber nicht erade am höchsten stehen. Auch in den Ga1_ 
Ierien zu St. Petersburg, Madrid, Wien, Berlin, Munßllen, Dres- 
den, und in Priwatsammlungen kommen noch Gemälde von ihm 
vor. Kein friihrercr französischer Maler hat mit mehr Geist und 
Feinheit, und mit so viel Sinn für Harmonie und Lichtwirlsung 
Zustände aus dem geselligen Leben der höheren und mittleren 
Stände geschildert, als Watteeu. Die meisten Bilder athmen Freude 
und Vergnügen, und die liebenswürdigste Qoiirtoisie. Die galante 
Geziertheit seiner schonen Damen, und seiner jungen Modeniän- 
ner ist jetzt nur mehr Pedanten anstößig, und wenn die Decenz 
gerade nicht immer im hohen Grade beobachtet ist, so beleidigen 
diese Bilder doch nie das Schamgefühl- Das Damencostüni dama- 
ligei- Zeit gibt allerdings dem Nackten grossen Spielraum. da Wat- 
teau seine Coquetten im Ballanzug einführt An diese? bizarren, 
aber immerhin geschmackvollen Aufputz wurde am meisten geklü- 
galt, die verschiedenen Seidenstraße in ihren brillanten Farben Sind 
aber so schön und meisterhaft gemalt, dass man ihre Auswahl be- 
wundern muss. Die Männer erscheinen gewöhnlich im Costüin 
des alten italienischen Theaters, nicht selten ohne komischen An- 
strich, sie passen aber für die Welt, in welcher die Schonen er
        

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