Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Veit, Ph. - Vouet
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1819458
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1819590
Veit, 
Philipp- 
Lebens blieb, und den Ruhm den Mannes gründete. Im Jahre 
1816 ging er nach Fiom, wo damals ein Verein von Künstlern sich 
gebildet hatte , deren Hauptzweck die Regeneration der deutschen 
liunst war. Wir haben auf dieses denkwürdige Streben bereits im 
Leben des P. v. Cornelius, F. Overbeck, VV. Scharlow u.s.vv. anf- 
nierlisam gemacht, und bemerken hier nur, dass Veit als eines der 
tliätigsten lYlitglieder jenes Vereines zu betrachten ist, dessen Ge- 
sinnungen er von jeher mit ganzer Seele theilte. Auch sein Bru- 
der Johannes war iin Kreise dieser Miinner, und im Streben ihnen 
nahe verwandt. Veit lebte von jetzt an eine Pieihe von Jahren in 
Boni, und schuf zahlreiche VVerhe, welche zu den schönsten Blü- 
thcn der neueren deutschen Iiunst gehören. Zuerst nennen wir 
die Fresken in der jetzt einem Sig. Zuccari gehörigen Villa des 
Consul Bartholdi auf St. 'l'riuita de lYIunti, wo er mit Curiielius,. 
Schadow und Overbeck die Geschichte des iigvptischcll-Tvßßitll malte. 
Sein Werk sind zwei Bilder, welche Joseph" und Putiphars YVeib, 
und den Traum von den sieben fruchtbaren Jahren vorstellen. 
Die letztere Darstellung ist besonders ausgezeichnet, und beur- 
lmndßt einen Künstler wiun selteren Gaben. Der Carton wird jetzt 
in der Gallerie des StädePschen Instituts zu Franlilurt a. lVl. auf- 
bewahrt. Graf A. Raczynski liess ihn für sein Praclitwerli über 
neueredeutsche Kunst in Kupfer stechen. Der grosse Beifall, wel. 
Chßll (11858 Malerßlßu erhielten. bewog den Mnrchese Nlassimi. in 
einem _Saale seiner Villa Darstellungen aus Dante's göttlicher C0- 
mUt-llß '11 krßikü malen zu lassen. Ursprünglich wurde dieserßilder- 
cyclus dem P- COPIJCUIIS aufgetragen, allein dieser Künstler liunnte 
seine Zeichnungen nicht mehr in Farben ausführen, da er bg. 
kenntlich nach München berufen wurde. Jetzt übernahm Veit. die 
Darstellungen aus Dante, und J. Koch theilte mit ihm die Arbeit. 
Diese Compositionen sind grussartig, im Geiste des qrossen Dich- 
ters durchgeführt. Die Technils der Frescomalcrei liatte aber da- 
mals noch mit Hindernissen zu laampfen, da sie in den genannten 
Villen gleichsam wieder ihre Auferstehung feierte. Ein anderes 
Frescubild dieses Meisters ist im Corridor Chiaraiiionti, und be- 
zieht sich auf die Verdienste, welche sich Papst Pius VI. um die 
Erhaltung des Colosseuins erworben hat. Dieser_Corricloi' äibt über- 
haupt eine bildliche Geschichte dieses liirchenfursten, un das Ge. 
niälde Veit's gehört zu den schönsten und grossartigsten unter al- 
len. Ein anderes Meisterwerk in Fresco ist im Vatikan , das Bihl 
der Religion. Diese herrliche Gestalt malte Veit 1819 auch in Orl, 
und sie gehört zu den würdigsten Schöpfungen der früheren Zeit 
des Meisters. Dann ist auch ein Bild der Jutlith zu rühmen, wel- 
ches 182i in den Besitz des H. G. von Quandt liam. Sie ist in le- 
bensgrusser halber Figur dargestellt, mit dem Haupig de; Hulofer- 
nes, und eine der schönsten Gestalten, welche die Malerei in je- 
ner Zeit hervorgebracht hat. Der Domherr Baron von'Ampnch 
legte damals eine Sammlung von biblischen Bildern an . wozu die 
vurzüglichsten deutschen Künstler der neuen religiösen Schule bei- 
trugen. Veitdmalte für ihn das Bild des Heilandes auf dem Oel- 
berge in einfach edlem Style, sowohl die Hauptfigur, als die Ge- 
stalten der Jünger. Dieses Gemälde trägt nicht, wie bei vielen 
anderen liünstlern aus jener Zeit, den altherkiimmlichen steifen 
Typus, sondern ist in freier Bewegung mit Geist und poctiselieni 
Sinne (lurchgefiihrt, wie diess ausser der gefälligcn Färbung schon 
früh ein grosser Vorzug des Meisters war. Wie sehr er den Cha- 
ralitcr und das Leben erfassen konnte, beweisen auch die Bild- 
nisse, welche Vcit in Italien malte. Darunternennen wir jenes 
der schönen und geistreichen Tochter des Ministers von Stein.
        

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