Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Veit, Ph. - Vouet
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1819458
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1824496
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Vogel J 
Christian 
Lcbicclxt. 
Einsiedel war eine Gräfin von Schulenburg, eine ästhetisch ge- 
bildete Dame, welche, so wie der Minister, zu den besonde- 
ren Gönnern des Künstlers, gehörte. Imdahre 1787 trat Vogel 
in Wildenfels in ein eheliches Verhältniss, und das stille hiiusli- 
che Glück wendete seinen zarten Sinn vornehmlich der kindlichen 
Welt zu, in welcher er sich den Ruhm des Malers der Unschuld 
und Grazie erwarb. Vornehmlich waren es die Bildnisse seiner 
beiden Söhne, welche allgemeinen Beifall erregten. Sie sind in 
einer Landschaft gruppirt , und blicken in ein Bilder-ABC- 
Buch. Das früheste Gemälde mit dieser idealen Gruppe besitzt 
Hotrath Groschlte zu Mietau, und mehrere Wiederholungen sind 
zerstreut. Das letzte dieser Bilder kaufte der Honig von Sachsen 
für die Galleric in Dresden , und in Hanfstängel": Galleriewverli ist 
es meisterhaft lithographirt. Der Hofmalcr C. Vogel von Vogel. 
stein besitzt die Zeichnung in Aquarell, welche von grosscr VViirme 
und Kraft der Farbe ist. Diese Gruppe erwarb dem liiinstler viel- 
fache Bestellungen auf Biuderportraits, welchen er durch die sin. 
nigen Beiwerke immer einen idealen Charakter abgewann. Vogel 
wusste aber allen Bildnissen bei sprechender Achnlichkeit einen 
idealen Ausdruck, und künstlerische Anordnung zu geben, und sel- 
ten fehlen die Kinder der dargestellten Eltern. Auf dem Schlosse 
zu Wolkeuburg ist ein rosses Familienhild des Ministers Grafen 
von Einsiedel, auf wclcäem alle liindcr desselben gruppirt sind. 
Mit sichtbarer Liebe ausgeführt sind zwei Gemälde, welche die 
Fürstin Repnin bestellte. Auf dem einen sieht man die Fürstin 
mit ihrem Sohne, und auf dem zweiten Bilde die beiden Töchter, 
eine liebliche Gruppe. Im k. Schlosse zu Dresden hiiilgen noch 
seine Portraits der Söhne und Töchter des Prinzen Maximilian. 
Unter Vogel's kleineren meisterhaften Goxnpositioncn nennen wir 
die in mehreren Wiederholungen vorhandenen Kinder mit dem 
Vogelbauer, und den Ganyxned, liebliche Gestalten aus der Hi" 
derwelt. Selbst sein-letztes grosses Bild richtet den Blick in die- 
selbe. Es stellt Christus vor, welcher die liindlein zu sich ruft, 
und befindet sich im Schlosse zu Wildenfels. Dreissig Jahre frii- 
her hatte er denselben Gegenstand für den Altar der Kirche in 
"Lichtenstein im Schönbur ischen gemalt. Im Bibliotheksaal des 
Grafen Solms zu Wildenfels verdienen auch zwei Plafonds genannt 
zu werden. An dem einen stellte er den Wechsel von Tag und 
Nacht, an dem anderen die Grazien dar. In dem letzteren Bilde 
brachte er das S als Schönheitslinic an. Andere vorzügliche Bil 
der besass die verstorbene Gräfin von Einsiedel, darunter eine 
Copie der Nacht von Correggio in der Grösse des Originals. und 
eine solche der Cäcilia von Carlo Dolce in der Dresdner Gullcrie. 
Die Copien, welche Vogel nach grussen Meistern ausfiihrte, wur- 
dcn ausserordcntlich cschätzt. Eine kleinere Wiederholung der 
Nacht kam nach liusslgaxid, und eine Copie des Amor von WIcngs 
findet man in Berlin. Seine Werke sind nicht zahlreich, da Seine 
Gesundheit keine grosse Anstrengung erlaubte. Doch iSt mit den 
erwähnten das Verzeichniss noch lange nicht geschlossen. Er malte 
_auch mehrere Bildnisse von Männern, worunter jene des Mine- 
ralogen Werner, und des Dichters Meissxier gestochen sind. Ge. 
ringcre Dauer, als seine Oelgemiiltlc, haben die Bilder in Pasten 
und Aquarell. Er wusste den Werken dieser Art eine besondere 
liraft und Licblichkeit der Farbe zu verleihen. Doch auch seine 
bessten Oelmalcreicn sind noch von grosser Frische der Färbung, 
und von ursprünglicher Schönheit. Er war der erste Maler, welcher 
die Schiidlichltcit des Bolusgrundcs erkannte und vermied. "Daher 
halten sich seine Bilder, namentlich die lctztcrcn sehr gut, und
        

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