Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Veit, Ph. - Vouet
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1819458
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1822739
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Vinci , 
Leonardo 
lieh geglaubt, der Philosoph sei viel mehr, als der Christ. Diese 
Stelle liess Vasari in der zweiten Ausgabe weg. Er fand vielleicht 
Tadel; denn man kann dem Leonardo sonst keinen Vorwurf un- 
gläubiger Gesinnung oder irreligiösen Lebens machen. Sein Abend- 
mahl allein wäre hinreichend, seine Religiosität zu beweisen, und 
daher sagt schon der Commentator der römischen Ausgabe, Va- 
sari's Anklage sei ein Indugio scandaloso e detestabile. Doch auch 
in der zweiten Ausgabe spielt er noch den Sittenrichter, iudein 
er sagt, Leonardo habe sich erst am Iiranlaenlagcr im katholischen 
llitus und in der richtigen Lehre der heiligen christlichen Religion 
unterrichten lassen. Wohl mag der liünstler der Ilichtung seiner 
Zeit gemiiss, und bei seinen wissenschaftlichen und artistischen 
Forschungen nicht eben häufig an praktischer Iteligimisiibnng 
Theil genommen haben, ohne desshalb ungläubig oder frivol ge- 
wesen zu seyn. Vasari verbreitete auch die irrige Angabß. dass 
Leonardo zu Fontainebleau in den Armen des liönigs Franz I. 
gestorben sei, nach einem heftigen Paroxismus in Folee des (je- 
ständnisses, dass er gegen Gott und Menschen gefehlt, und in 
der Iiunst nicht gethan habe, was ihm Pilicht gewesen wäre. Die- 
ses soll er in Gegenwart des Iiönigs gesagt haben, allein die ganze 
Geschichte ist eine Erfindung des geschwiitzigen Frümmlcrs. Leu- 
nardo starb zu St. Cloud, und der liönig war damals in St. Ger- 
main-cn-Laye, wie aus dem Tagebuch desselben erhellt, wel- 
ches auf der Bibliothek zu Paris aufbewahrt wird. Loniazzo sagt 
kein Wort von der Gegenwart des liünigs, und er hätte es doch 
VOII F. Melzi wissen können. Melzi meldete am 1. Juni 1519 von 
Amboise aus den Brüdern des Künstlers den Tod desselben, und 
auch den König setzte er davon in Iienntniss. Die Botschaft 
versetzte diesen in grosse Trauer, wiewir aus einer Strophe bei Lo- 
mazzo wissen, Grotteschi p. IOQ. Ein einmal verbreiteter Irrthuin 
ist aber schwer zu beseitigen, und daher kann man bei urkundli- 
chen Nachweisungen desselben noch immer lesen und hören, dass 
Leonardo in den Armen des liönigs Franz gestorben sei. 
Leonardo's Bildnisse. 
Eigenhändiges Bildniss, ehedem im Hause des Grafen Melzi 
zu Vaprio. Dieses Gemälde ist verschollen, wenn nicht die ltoth- 
steinzeichnung im brittischen Museum darunter zu verstehen ist. 
Das von Leonardo zu Canonica im Hause Melzi in I-"reseo gc- 
malte Portrait. Dieses Werk soll zu Grunde gegangen seyn. Oder 
wurde es aus der Mauer gesägt? Morgenstern, Reisen lI. 571 
Sagt, dass das folgende Bildniss in Oel auf liallt gemalt scheine. 
Das eigenhändige Bildniss in der Tribune der florentinischen 
Gallerie, Brustbild mit langem Bart und der Mütze auf dem Iio- 
Pfe, in i- Ansicht, unter Glas verwahrt. Dieses wunderbare llild- 
niss schildert den tiefen Forschergeist Leonardos Lanzi sagt da- 
her, dass es an liraft allen anderen Iiünstlerbildnissen der Tri- 
bune weichen müsse.  
Gestochen von N. Guidetti, foL; Baron, fol.; F. Sesoni, fol.; 
J. Lapi . foL; F. Allegrini, nach einer Oelcopic von Zoeehi, foL; 
B. Lochen, fuL; (I. 'l'ownley. in schwarzer lYIanier, gr. fol.; Co- 
Iombini, 8.; G. Cantini, 8.; C. Artaria, Oval 11.; K. Morghen, 
lsl. l'ol.; J. M. Leroux 1859, gr. tol, 
Dann kommt theils das von Vasari im Holzschnitt beigege- 
bene, theils das llorentinische Bildniss in den verschiedenen XVei- 
lten vor, welche. über Künstler im Allgemeinen, oder speciell über 
Leonardo da Vinci handeln. Man findet da Copien des ersteren
        

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