Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Veit, Ph. - Vouet
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1819458
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1822665
Vinci 9 
Leonardo 
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seiner Beobachtung der Natur und ihrer Erscheinungen. So fesselte 
ihn zu ltimini sogar der Stadtbrunnen, und er bemerkt, mit welcher 
Hnfmullie das Wasser in den Trog fiel. Zu Siena wollte "er den 
guutlerbarcn Schall einer Glocke in der eigenthiimlichexl Gestal- 
tung des Schweugels erklären. In Piombino beobachtete er, "je 
eine Meereswelle die andere überspringt, und sich dann am Uhr 
zur Ruhe legt. Selbst die Gebräuche des Landes gaben ihm _Stoii 
zu Aufzeichnungen. So fand er es der Mühe werlh zu notiren, 
wie die Cesenaten ihre grossen Trauben zur Iielter tragen. Sein 
seltener Furschungsgeist wusste auch das Kleinste für das Gräf- 
sere zu benutzen. Es wäre eine grusse und schöne Aufgabe, ein 
möglichst vollständig begründetes und ausgcliihrtes Bild dieses aus- 
serordentlichen Mannes zu entwerfen. Ueber ihn als Physiker und 
[Vlathematilser s. den Abschnitt, welcher von den Manuscripten des 
liuustlers handelt. 
Der berühmte Carton fiir den Ilathssaal in 
F1 u r e n z. 
Vasari sagt, die herrlichen Werke dieses göttlichen liiinstlers 
hätten in Florenz das allgemeine Verlangen erregt, dass er da- 
selbg irgend etwas zu seinem Gedächtnis: hinterlassen möchte. 
welches auch der Stadt zur Zierde gereichen wiirde. Im Jahre 15m3 
ging der_Bau des grossen Rathssaales zu Ende, und der GonlaÄ 
loniere Pietro Soderini trug daher dem Leonardo auf, in demsel- 
ben ein grosses Bild an die Mauer zu malen, was auch den Michel 
Angele zum SVetteifer entflammte, welcher bekanntlich ebenfalls 
einen Cartun fertigte. Leonardo wiihlte die Schlacht zwischen den 
Florentiuern und Nlailiindern, welche 14710 zu Anghiari verfiel, 
wo der Feldhauptmann NiccoloPiccinino den Tod fand. Leonardo 
hinterliess selbst eine kurze Geschichte dieses Vorfalles (Gallen- 
berg S. Hd). die Beschreibung des Bildes bei Vasjri lässt es aber 
im Zweifel, ob die gelieferte Schlacht, oder nur eine Episode der- 
selben dargestellt wnr. Nach Vasari zeichnete Leonardo einen 
Trupp Reiter, die um eine Fahne kämpfen, und stellte diese Scene 
mit einer bcwunderungswiirdigen Ueberlegung dar. Wulh, Zorn 
und Rachsucht, sagt er, erhennc man in den Menschen nicht min- 
der , wie in den Pferden. Zwei dieser Thiere scyen mit den Vor- 
deriiissen in einander verschränkt, und fallen sich mit dein Gebiss 
an, wiithcnd wie die hälnpfentlen Reiter. Einer der Soldaten habe 
zu Pferd mit beiden Hinden das Ende der Standarte gefasst. und 
suche sie mit Gewalt den Händen von vier liriegern zu entreissen. 
Jeder halte sie mit einer Hand,.und schwinge mit der anderen das 
Schwert, um den Schaft abzubauen. Ihnen entgegen sei ein alter 
Iiricger, welcher ebenfalls mit einerHand den Schaft ergriffen habe, 
und. vor YVuth schreiend den beiden Soldaten die Hände abzu- 
hauen trachte. Auf der Erde zwischen den Fiissen der Pferde seyen 
noch zwei liiitnpfentle lirieger verhiirzt gezeichnet, wovon der eine 
dem anderen den Dolch an die Kehle setze. Dann zollt Vasari 
der Meisterschaft des Künstlers die höchste Iiewimderung, wir 
können aber seiner Erzählung nicht unbedingtes Vertrauen schen- 
hen. Der Carton ist zu Grunde gegangen, und die unten ge- 
nadnteu Abbildungen stimmen mit Vasai-Ps Beschreibung nicht 
ganz iiberein. In diesen besteht die Gruppe im Ganzen nur m18 
vier Reitern, wäbrqnd Vasari sagt, derjenige, welcher die Ibljüe 
erfasst hat, widerstehe vier Kriegern. Eine Zeichnung im Bßßltlß 
des lYIalers Bergeret in Paris zei t auch den gestürzten General 
Piccininu und sein entfliehendes äferd. Rafael hat aber nur im"! 
Gruppe sliizzirt, so wie sie auf dem Stiche von Edelinh vorkommt.
        

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