Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Veit, Ph. - Vouet
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1819458
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1822654
10.3 
Vimxi, 
Leonardo 
Casa Mauri daselbst. In die Zeit des ersten Aufenthaltes Lennaxs 
du's in Florenz setzt Vasari auch das Bildniss der lYloiia Lisa, de;- 
schönen Frau des Francesco del Giocondo, und jenes der Giiie. 
vra, Gemahlin des Anierigo _Beuci. Für den Zauber des Bildes 
der Mona Lisa findet Vasari keine Vvorte, denn man konnte darin 
sehen, wie weit es der Kunst möglich sei, die Natur nachzuahmen. 
Alle Kleinigkeiten waren aufs feinste nachgebildet, die Augen hat- 
ten Glanz und Feuchtigkeit, und die VVilJlPCfIl konnte nur der 
zarteste Pinsel ausführen. Die Brauen kommen aus der Haut 
hervor und wülben sich, der Mund erschien wie Fleisch und Blut, 
und an der Halsgrube glaubte man das Schlagen der Pnlse zu 
sehen. Leonardo hatte aber auch vier Jahre daran gemalt, wie 
Vasari bemerkt, und damit die Dame beim Sitzen ja nicht uiigq. 
halten würde, soll der liünstler immer Jemanden bestellt haben, 
der durch Gesang und Scherz sie fröhlich erhielt. Franz I. von 
Frankreich bezahlte für dieses Bild 4000 Thaler in Gold (ungefähr 
45000 In), und stellte es im Saale der Schönheiten zu Fontaine- 
bleau aus. Leider aber muss es schon früh durch eine Reinigung 
den fein lasirtcn warmen Fleischton verloren haben, da die alle" 
Copicn die Blässe zeigen, welche über das Original ausgegossen ist, 
und jetztfast den Eindruck eines grau in Grau gemalten Bildes macht. 
In der k. Hondzeichnungssammlung zu München ist ein weilili- 
cher liopf mit lierabhäingendein Haar in lireide, welcher ein Stn_ 
dium zur Blona Lisa scyn könnte. Gute alle Oelcopien findet 
iiian in der Casa Nlozzi zu Florenz, im Museum zu Nladritl, in dei- 
Villa. Soinmariva am Comer-See, in der Gallerie Torlonia in Ilom, bei 
Abraham Hume, und in der Sammlung der Woodburns zu Lon- 
dun. Halb nackt erscheint die Dame in der Eremitage zu St. Peters. 
burg, so dass derliünstler wohl vier Jahre gemalt haben könnte. Das 
oben erwähnte Bildniss der (iinevra Henci ist jetzt im Pßlüzzu 
Pitti zu Florenz. Es war im Hause Nicolini, und wurde durch 
einen lleinigungsversuch aller Lasuren beraubt. Passavant setzt aber 
dieses Bild in eine frühere Zeit, da es nicht die Abstufun der 
'l'one zeigt, wie Leonard0's spätere Werke. Vasari nennt Jieiiie 
weiteren Gemälde und Zeichnungen aus der ersten Zeit des llurcnti- 
iiiselien Aufenthaltes des lijiiistlers, nur den berühmten Carton für 
den  auf wvelclieii wir unten zurückkommen. Es diig-f. 
teii aber mehrere der im geographischen Verzeichnisse erwähnten 
Zeichnungen, besonders Bildnisse in diese Periode gehoren Vasal-i 
hatte keine Hunde von den mannigfaltigen kunstlerischen Studien 
Leonardtfs, und wciss auch nichts von seinen Leistungen als In- 
genieiir und Architekt. _Schon im Jahre 1501 beschäftigte er sich 
mit den Berechnungen zur Schilfbarmachung des Arno von Flo- 
renz bis Visa. und 1505 kam er im Lager vor Pisa auf die projeli. 
tirte Ableitung des ldusses zurück, wie wir aus einer Urkunde 
bei Gaye, Carteggio etc. I. Nr. 15, ersehen. Seine Untersuchun. 
gen am Wasser brachten ihn auf die Erfindung einer Schwimm- 
llrlaschiiie, und auf verschiedene andere Projekte, wie wir durch 
Anioretti wissen. lm Jahre 1502 machte er als Hofarchitekt und 
Gcneral- Ingenieur des Herzogs Valentino Borgia eine Reise, um 
die Festungen seines Landes zu untersuchen. Die Urkunden da- 
rüber geben Auioretti p. 87 Note 1., und nach ihm Gallcnberg. 
Yasari aber erwähnt kaum. dass Leonardo sich als Ingenieur aus- 
zeichnete, und überhaupt sein ganzes Leben hindurch fasst ebenso 
viel mit dem Studium der Mathematik und Mechanik beschäftige; 
war. In den Schätzen seines handschriftlichen Nachlasses finden 
wir manniglaltige Andeutungen über mechanische Arbeiten, welche 
er auf seiner Reise unternommen hatte. Sie zeugen auch von
        

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