Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Veit, Ph. - Vouet
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1819458
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1822458
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Vinci , 
Leonardo 
hauptet, das Modell des Pferdes sei so gross gewesen, dass es nie 
in Bronze ausgeführt werden konnte. Leonardo berechnete das 
Metall zum Gusse auf 100,000 Pf., und als dazu Anstalt gemacht 
wurde, brach das Iiriegsungliich über Ludovico il lYIoro herein, 
Die französischen Armbrustschützen nahmen 1499 das Modell zur 
Zielscheibe und zerstörten es, Es hat "sich aber ein Kupferstieh 
erhalten, welcher einige Entwürfe zu dieser Beitcrstatue enthäilt. 
Er stellt vier Skizzen zu Pferden auf Fussgestellen dar, jedes mit 
einem Reiter, der einen Stab in der Hand hält, und im Begriffe 
zu streiten scheint. Zwei der Pferde haben als Stützpunkte einen 
zur Erde hingestreclsten Krieger, der sich zu retten scheint. Gerli 
(Disegni di L. da Vinci p. 5) glaubt, dieser alte Stich sei von 
Lioilardo selbst, oder von einem seiner Schüler gefertiget. Gius. 
Vnllardi inlVIailand besitzt ein Exemplar, welches in drei Stücke 
zerschnitten war. zusammengesetzt ist das Blatt 3 Z. hoch, und 
5 Z. 10 L. breit. 
 Die Reiterstatue des Francesco Sforza scheint Anfangs die 
Hauptaufgabe gewesen zu seyn, welche Ludovico il Moro dem 
Künstler setzte, er arbeitete aber mit grossen Unterbrechungen, 
Inzwischen beschäftigten ihn viele andere Projekte für den Hof, 
_da nach VasarPs Versicherung der Herzog durch die bewundems- 
werthen Reden Leonardo? erfreut, sich in seine Kunst so sehr ver- 
liebte, dass es fast unglaublich war. Auch weidete er sich manche Tage 
am Glanz des Hofes, und lebte ausserdem wie ein grosser Herr, wel- 
eher seinen Arbeiten obliegen konnte, ohne sich zu ermiiclen. Mit 
Lodovico il Moro stand er aufjenem freundschaftlichen Fusse, wie 
feine Despoten es gestatten, so lange der Giinstling in Gnaden 
bleibt, und willfährig ist. Leonardo scheint das vollste Vertrauen 
desselben besessen zu haben; denn er gab dem männlich SChÜnen 
und liebenswürdigen Maler den Aufrag, die Bildnisse seiner bei- 
den Freundinnen zu malen. Der sittenlose Mailänderhof nahm es 
damals mit der ehelichen Treue nicht so genau, wenn wir einer 
liandschriftltchen Aufzeichnung von Arluni (de bello Veneto) glaub 
ben dürfen. Der gut katholische Vasari geht aber darüber hin, und 
sagt auch nichts von den Bildnissen der beiden Beischläferinnen, 
Amoretti nennt die eine, wahrscheinlich die jüngere, Ciicilia Gel- 
lerani, die andere Lucrezia Crivelli, welche später den Grafen Ln- 
dovico Pergamino heirathete. Das Bild der Cäcilia besessen noch 
im 18. Jahrhundert die Marchese Bonesano zu Mailand, und auf 
der Ambrosiana (laselbst ist eine gute alte Copie. Ein zweites Bild- 
niss dieser Dame, mit der Jahrzahl 1497, sieht man im Hause Pe- 
lavieini zu S. Calocero. Das Portrait der Lucretia Crivelli erkennt 
man jetzt in der roth gekleideten Dame im Museum des Louvre, 
daselbst unter dem Namen la Belle Ferroniere bekannt. In der 1;, 
Eremitage" zu St. Petersburg. und in der Sammlung des Prinzen 
von Oranien begegnet sie ebenfalls. Fiir die Donua Cäcilia malte 
Lionardo auch ein Bild der Madonna mit dem Iiinde, welches die 
Rose einsegnet, 130g im Besitze des WVeinhändlers Gius. Radici in 
Mailand. Vasari spricht nur von wunderschönen Bildnissen des 
Ilerzogs Ludovico, seiner Gemahlin Beatrice, und der Prinzen Mus- 
similiano und Francesco, an einer Wand in jenem Iiefektorium, 
wo das berühmte Abendmahl zu sehen ist. D. Pino (Storia ge- 
nuina nel cenacolo etc. Milano 1796) macht auf das Zeugniss eine; 
Padrc Gattico aufmerksam, welcher behauptet, dass Lionardo diese 
Bildnisse mit Widerwillen übernommen habe, und dass sie, in Qe] 
auf die Mauer gemalt, zu Grunde gegangen seyen. I-lirt (Jahrbü- 
eher für wissenschaftliche Critih 1851", Nr. 56) belehrt uns aber 
eiifes anderen, und zeigt, dass Vasari nicht genau unterrichtet war.
        

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